Ein Flugzeug der neuseeländischen Luftwaffe auf der Suche nach MH370 © Richard Wainwright/EPA/dpa

Am 8. März 2014 verschwindet Flug MH370 vom Radar; beinahe 17 Monate später, am 29. Juli 2015, wird auf der Insel La Réunion ein Flugzeugwrackteil angeschwemmt. Es wurde als Teil von MH370 identifiziert. Ein Überblick der Ereignisse

Aktuelles, Stand 25. Januar 2016:

  • Ein Ende Januar 2016 in Thailand angespültes Trümmerteil gehört Luftfahrtexperten zufolge eher nicht zur verschollenen Malaysia-Airlines-Boeing. Der ungewöhnliche Fundort sowie die Bauart des Metallstücks sprächen dagegen, sagten Fachleute.
  • Forscher des Kieler Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung hatten Ende 2015 Berechnungen vorgelegt, die neue Hinweise auf das Absturzgebiet von MH370 geben könnten. Auf Grundlage des Flugzeugwrackteils, das auf der Insel La Réunion gefunden wurde, wurden Computersimulationen durchgeführt. Die Modelle zeigen, dass das Flugzeug bis zu 3.500 Kilometer entfernt liegen könnte von jener Stelle, an der das Flugzeug bislang vermutet wurde. 
  • Dennoch: Australien will an seiner bisherigen Suche festhalten. Man sei sicher, im richtigen Gebiet zu suchen, sagte ein Sprecher der Transportsicherheitsbehörde.
  • Am 29. Juli 2015 wurde das Flugzeugwrackteil an der Küste von La Réunion gefunden. Die Insel liegt im Indischen Ozean, rund 600 Kilometer östlich von Madagaskar. Das zwei Meter lange Tragflächenstück wurde im Osten der Insel angespült. Anfang September 2015 räumten französische Ermittler letzte Zweifel an der Herkunft der Flügelklappe aus.
  • Mehrere Ozeanografen halten es für möglich, dass Meeresströmungen und Winde das Teil Tausende Kilometer weit getragen haben. Australische Meeresforscher hatten sogar berechnet, dass 12 bis 18 Monate nach dem Absturz Teile in Madagaskar oder Umgebung auftauchen könnten.

Der Flugverlauf

Am Samstag, den 8. März 2014 um 0.41 Uhr Ortszeit startete der Malaysia-Airlines-Flug MH 370 mit 239 Menschen an Bord in Kuala Lumpur in Richtung Peking. Den letzten offiziellen Funkspruch setzte die Crew um 1.19 Uhr ab, über dem Meer zwischen Malaysia und Vietnam. Kurz darauf bemerkten vietnamesische Fluglotsen, dass das Flugzeug von seiner geplanten Route abgedreht und den Funkkontakt eingestellt hatte. Gegen 2.15 Uhr ortete das malaysische Militär ein Flugzeug 200 Kilometer westlich, auf der anderen Seite der malaysischen Halbinsel. Ob dieses Flugzeug jedoch MH370 war, ist weiterhin unklar. Die Boeing 777 ist seitdem verschwunden.

Zwei Drittel der 227 Passagiere an Bord stammten aus China. Zusätzlich waren zwölf Besatzungsmitglieder an Bord, insgesamt Menschen aus 14 Ländern.

Die Suche

Der Fund auf La Réunion könnte tatsächlich die heißeste Spur sein, die die Ermittler jemals hatten. Zwischen dem Fundort und der Position, von der das letzte Signal der Maschine aufgefangen wurde, liegen rund 4.000 Kilometer. Schiffe mit Unterwasser- und Sonargeräten suchen seit mehr als einem Jahr in einem riesigen Gebiet des Indischen Ozeans nach dem Wrack. Es ist eine der abgelegensten Meeresregionen der Welt. Das Wasser ist dort teils 6.000 Meter tief. 55.000 Quadratkilometer sind bislang ergebnislos abgesucht worden, wie die australische Koordinationsstelle für die Suche (JACC) mitteilte. 

Von Anfang an verlief die Suche teils planlos, teils völlig chaotisch: Nach dem Verschwinden der Boeing 777 starteten die malaysischen Rettungskräfte die Suche im Südchinesischen Meer und weiteten sie am selben Tag aus auf die Straße von Malakka, westlich der malaysischen Halbinsel. Damit umfasste das Suchgebiet bereits am ersten Tag 90.000 Quadratkilometer. Das ist, als würde man den gesamten Norden Deutschlands, also Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern nach einem 60 Meter langen Flugzeug absuchen.

42 Schiffe und 39 Flugzeuge aus zwölf Ländern waren anfangs an der Suche im Indischen Ozean beteiligt– vor allem in der Region zwischen Thailand und den Andamanen-Inseln. Bereits Mitte März erstreckte sich die Suche nunmehr vom Kaspischen Meer bis in den südlichen Indischen Ozean. 7,68 Millionen Quadratkilometer – eine Fläche so groß wie Australien. 26 Nationen waren an der Suche beteiligt.

Oberste Priorität hatte in den ersten Wochen die Suche nach der genauen Absturzstelle, wo der Rumpf und die Blackbox vermutet wurden. Von ihr erhofften sich die Ermittler Aufschluss über die Ursache des Irrflugs. Das Problem nur: Nach 30 Tagen ist die Batterie einer Blackbox leer, die Daten waren damit unwiderbringlich verloren.

Anfang Mai änderten die Suchteams ihre Strategie: Die Suche wurde an der vermuteten Absturzstelle in die Tiefe ausgeweitet. Dort sei der Meeresboden noch nie systematisch kartografiert worden, sagte der stellvertretende australische Regierungschef Warren Truss. 

Ende Mai veröffentlichte die Satellitenfirma Inmarsat ihren 49-seitigen Bericht. Darin enthalten waren die Rohdaten der Kommunikation zwischen Satelliten und dem Flugzeug. Experten dienten diese Daten als Basis für die Annahme, dass MH370 im südlichen Indischen Ozean abgestürzt war.

Im August sollte die nächste Suchaktion beginnen, in einem Gebiet etwa 1.800 Kilometer westlich der Westküstenstadt Perth konzentrieren. Dort waren Suchexperten bereits: Von Flugzeugen aus begannen sie zehn Tage nach dem Absturz am 8. März, die Meeresoberfläche nach Wrackteilen abzusuchen – vergeblich.  

Am 26. Juni kommt die offizielle Bestätigung der australischen Regierung: MH370 flog auf Autopilot. Der stellvertretende australische Regierungschef, Warren Truss, sagte, er sei optimistisch, dass es sich bei dem Gebiet um den wahrscheinlichen Absturzort des Flugzeugs handle. Die Suche sei auf ein Jahr angelegt. Sie beginnt im August.

Im März 2015 – zum Jahrestag des Verschwindens – veröffentlicht die malaysische Transportbehörde einen Zwischenbericht, der wenig Neues bringt. Das internationale Expertenteam sei weiter mit denselben Aufgaben beschäftigt wie bisher, darunter: Prüfung technischer Daten zur Flugtauglichkeit der Maschine, der Radaraufzeichnungen und Satellitendaten, der Papiere zur Ladung an Bord, und von Informationen über die Crew-Mitglieder. Mehr faktische Informationen vom Wrack und den Flugdatenschreibern würden erst erwartet, wenn die Maschine gefunden werde. 

Am 29. Juli wird auf der Insel La Réunion ein Flugzeugwrackteil angeschwemmt. Es scheint möglich und wahrscheinlich, dass es von MH370 stammt. Stimmt der angenommene Absturzort, müsste das Wrackteil rund 4.000 Kilometer gedriftet sein. Die Oberflächenströmung bewegt das Meer zwischen Australien und Afrika in einer riesigen Kreisbewegung. Der nördliche Bogen fließt von Ost nach West. Die Strömung kann mehr als drei Kilometer in der Stunde betragen, mehr als 70 Kilometer am Tag. Das Flugzeug ist seit mehr als 500 Tagen verschwunden – die Rechnung geht auf. 

Am 2. August verdichten sich die Hinweise, dass das Trümmerteil von einer Boeing 777 stammt. Auf La Réunion wurde mittlerweile ein zweites Stück angespült, bei dem es sich allerdings um normalen Schrott handelt. Am 5. August teilte die malaysische Regierung mit, das Wrackteil sei MH370 zuzuordnen. Wartungsunterlagen der Malaysia Airlines belegten dies eindeutig. Die französischen Ermittler sind noch vorsichtig. Sie wollen weitere Untersuchungen abwarten.

Am 1. September legen Kieler Forscher neue Simulationen vor. Auf Grundlage des gefundenen Flugzeugwrackteils sei es möglich, dass die Absturzstelle nördlicher liegen könnte, als bisher gedacht. Jedoch lieferte eine Rückrechnung der Forscher als Ergebnis ein sehr großes Gebiet im östlichen äquatorialen Indischen Ozean. Es liegt westlich von Sumatra und Java, etwa 6.000 Kilometer entfernt von La Réunion. "Weitere Wrackteile wären notwendig, um präzisere Aussagen treffen zu können", sagte Arne Biastoch, Professor am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung. Die australischen Suchteams wollen weiter an ihrem bisherigen Suchgebiet festhalten, hieß es am 2. September.

Am 3. September die Gewissheit: Die Flügelklappe stammt von MH370. Das bestätigen nun auch die französischen Ermittler.

Am 23. Januar 2016 finden Fischer ein zwei mal drei Meter großes Wrackteil an einem Strand in Südthailand. Einen Tag später geben Luftfahrtexperten bekannt: Das Stück gehört eher nicht zur verschollenen Malaysia-Airlines-Boeing. Der ungewöhnliche Fundort sowie die Bauart des Metallstücks sprächen dagegen.