Zwei Jahre und acht Monate nach Verschwinden von Flug MH370 richtet sich der Verdacht gegen den Piloten der Malaysia-Airlines-Maschine. Eine Theorie geht davon aus, dass er das Flugzeug absichtlich ins Meer steuerte. Eine andere, dass er zum Zeitpunkt des Absturzes gar nicht im Cockpit war. Ein Überblick über Suche, Fundstücke und mögliche Absturzursachen

Aktuelles, Stand 2. November 2016:

  • Es wird weiter angenommen, dass MH370 im Indischen Ozean westlich von Australien ins Meer gestürzt ist.
  • Das 120.000 Quadratkilometer große Suchgebiet ist fast vollständig abgesucht – ohne Erfolg.
  • Mehrere Flugzeugteile wurden vor den Küsten Südafrikas angespült, bei einigen gilt als sicher, dass sie von MH370 stammten.
  • Die Suche nach dem Flugzeug wird voraussichtlich Ende des Jahres eingestellt.
  • Es gibt einen dringenden Verdacht, dass der Pilot das Flugzeug bewusst ins Meer steuerte oder aber ins Meer stürzen ließ.

Der Flugverlauf

Am Samstag, den 8. März 2014 um 0.41 Uhr Ortszeit startete der Malaysia-Airlines-Flug MH 370 mit 239 Menschen an Bord in Kuala Lumpur Richtung Peking. Zwei Drittel der 227 Passagiere an Bord stammten aus China. Zusätzlich waren zwölf Besatzungsmitglieder an Bord, insgesamt Menschen aus 14 Ländern.

Den letzten offiziellen Funkspruch setzte die Crew um 1.19 Uhr ab, über dem Meer zwischen Malaysia und Vietnam. Kurz darauf bemerkten vietnamesische Fluglotsen, dass das Flugzeug von seiner geplanten Route abgedreht war und den Funkkontakt eingestellt hatte. Gegen 2.15 Uhr ortete das malaysische Militär ein Flugzeug 200 Kilometer westlich, auf der anderen Seite der malaysischen Halbinsel. Ob dieses Flugzeug MH370 war, bleibt unklar. Satelliten fingen später Signale auf, die nahelegen, dass die Maschine noch sieben Stunden Richtung Süden flog.

Die große Frage: Was ist dann passiert?

Immer wieder stand der Pilot im Verdacht, das Flugzeug absichtlich vom Kurs abgebracht und ins Meer geflogen zu haben. Von den malaysischen Behörden wurde dies jedoch verworfen. In ihrem ersten offiziellen Zwischenbericht wurde der Pilot von jeglichem Verdacht freigesprochen. Jedoch kursiert seit einiger Zeit ein Bericht, der dem FBI vorliegen soll und dessen Existenz die malaysischen Behörden Anfang August 2016 – fast zweieinhalb Jahre nach Verschwinden der Maschine – erstmals bestätigten. Demnach hat der Pilot zu Hause auf seinem privaten Flugsimulator eine Flugroute über dem Indischen Ozean ausprobiert. Sie soll fast identisch sein zu der Strecke, die die Maschine den bisherigen Ermittlungen zufolge flog.

Der malaysische Verkehrsminister Liow Toing Lai betonte, dass es nur eine von mehreren Routen war, die auf dem Flugsimulator gefunden wurden und mahnte: "Es gibt keine Beweise, die belegen, dass (Flugkapitän) Zaharie Ahmad Shah das Flugzeug absichtlich auf den Indischen Ozean gelenkt hat."

Der renommierte kanadische Luftfahrtexperte Larry Vance sieht das anders: Ende Juli 2016 gab er ein Interview, in dem er den Piloten eindeutig in der Schuld sieht. Anhand des auf La Réunion gefundenen Flugzeugteils sei er sich sicher, dass die Maschine von dem Piloten im Gleitflug ins Wasser gelenkt wurde. Bei dem Teil, einem sogenannten Flaperon, handele es sich um eine Flügelklappe, die sich bei Flugzeugen an der Rückseite der Tragfläche befindet. Das gefundene Steuerruder weise Beschädigungen auf, die von hohem Wasserdruck herrührten, sagte Vance nun laut BBC. "Es ist nicht möglich, das Flaperon auszufahren, ohne dass jemand es ausfahren ließ", sagt Vance in dem Interview. "Jemand kontrollierte das Flugzeug. Jemand hat beschlossen, dass er das tun wollte."

Wie der britische Guardian Ende Juli 2016 berichtete, zog auch der Unfallermittler der australischen Verkehrssicherheitsbehörde ATSB, Peter Foley, die Möglichkeit einer absichtlich herbeigeführten Landung im Meer in Betracht. Seit Anfang November verfolgt er noch eine weitere Theorie: Es sei auch denkbar, dass vor dem Absturz kein Pilot im Cockpit saß. In einem technischen Bericht der ATSB heißt es, ein vor Tansania angespültes Teil der Boeing lege den Schluss nahe, dass die Landeklappe des Flugzeugs doch eingefahren war. "Dies bedeutet, dass die Maschine nicht auf eine kontrollierte Landung ausgerichtet war", sagte Foley. "Jeder kann seine eigenen Schlüsse daraus ziehen, ob jemand das Flugzeug am Ende unter Kontrolle hatte."