Lange hat Chariklo die Forscher an der Nase herumgeführt. Mal leuchtete der kosmische Brocken von rund 300 Kilometern Durchmesser hell auf, mal war er dunkler. Mal gab es deutliche Hinweise auf Wasser und Eis auf seiner Oberfläche, dann waren diese Hinweise einfach wieder verschwunden (Guilbert et al., 2009). Als hätte der Himmelskörper, der zwischen Saturn und Uranus seine Runden dreht, jedes Mal eine neue Verkleidung parat, sobald Astronomen ihre Teleskope auf ihn ausrichten.

Ganz so verkehrt war der Eindruck nicht, wie Felipe Bragas-Ribas vom brasilianischen Observatorium in Rio de Janeiro und seine Forscherkollegen nun zeigen. Chariklo hat offenbar zwei Ringe aus Eis und Gesteinsbrocken um sich. Sie würden ihn wie einen zerschlissenen Mantel umgeben, berichten die Astronomen im Magazin Nature (Braga-Ribas et al., 2014). Je nach Position und Zeitpunkt verdeckten diese Ringe einen Großteil von Chariklo. Die Folge: Als die Teleskope den kleinen Himmelskörper einfangen, sahen sie, ohne es zu merken, mal Teile des Gewands, mal seine wirkliche Gestalt. Entsprechend variierten die Ergebnisse.

Das Rätsel um den Brocken haben die Forscher eher zufällig gelöst. Braga-Ribas und seine Kollegen wollten den Kleinstplaneten neu vermessen und nutzen dafür einen besonderen Augenblick am 3. Juni 2013. An diesem Tag zog Chariklo an einem Stern vorbei. Solche Momente sind selten, vergleichbar mit einer Sonnenfinsternis, und für Astronomen äußerst kostbar. Im Gegenlicht eines Sterns lässt sich die Form eines Himmelskörpers besonders gut erkennen. Doch als die Forscher die Silhouette von Chariklo genauer untersuchten, fanden sich Auffälligkeiten, die nicht zum bisherigen Bild vom Kleinstplaneten passten. Erst die Annahme, Chariklo ziehe zwei Ringe mit sich durch den Orbit, konnte alle Merkwürdigkeiten erklären.

"Es ist wie so oft mit merkwürdigen Beobachtungen in der Wissenschaft: Ist die richtige Erklärung erst einmal gefunden, erscheint sie so naheliegend", schreibt der Astronom Joseph Burns von der Cornell University in einem Begleitartikel zur Studie (Burns, 2014). Die neu entdeckten Ringe sind die einfachste Erklärung für die kuriosen Beobachtungen rund um Chariklo. Zudem sind sie wahrlich etwas besonders: Es sind die ersten Ringe, die nicht einen Planeten umkreisen.

Forscher wollten Chariklo bloß neu vermessen

Bislang nahmen Forscher basierend auf ihren Beobachtungen an, nur Planeten wie Saturn, Neptun und Uranus wären von einem oder mehreren Ringen umgeben. Chariklo gehört jedoch zur Klasse der Kleinstplaneten. Die ähneln zwar Planeten, allerdings schwirren sie auf ihrer Bahn nicht nur um die Sonne, sondern auch um andere Planeten. Bleibt die Frage, ob Chariklo mit seinen Ringen eine Ausnahme ist.

So wissen die Astronomen noch nicht, woher die Ringe stammen. Denkbar ist, dass ein Einschlag auf Chariklo das Material freisetzte oder dass aufgrund seiner Drehung Material nach außen geschleudert wurde.

"Wir können nicht sagen, ob solche Ringe um kleine Körper von einem normalen Prozess stammen, den wir bloß noch nicht kennen, oder ein außergewöhnliches Merkmal darstellen", schreiben Bragas-Ribas und sein Team. In jedem Fall aber ist den Forschern ein Fund gelungen, der derzeit in das Kuriositätenkabinett unseres Kosmos gehört.