Joji Konishi schaut auf ein Poster neben seiner Bürotür und sieht plötzlich aus wie ein verliebter junger Mann. "Das ist wirklich unser Schönster", sagt er mit Blick auf das Koikarpfen-Bild an der Wand. Der 60-jährige Herr mit einem kleinen Wohlstandsbauch blättert durch seinen Katalog, der die ganze Palette bietet: weiße, schwarze, rote. Fische mit Flecken, zweifarbigen, dreifarbigen, verschiedenen Mustern.

Konishi ist Koizüchter aus Leidenschaft. Sein Liebling ist mit Abstand der Karashi, zu deutsch "Senf". Die Art besticht durch ein sattes Gelb, symmetrische Schuppen, rundum umgibt das Tier eine stolze Aura. "Am besten verkauft sich allerdings der Taisho, mit roten schwarzen Flecken und weißem Grundton", sagt Konishi betrübt. Dabei sei der Karashi, den er selbst gezüchtet hat, viel schwieriger in der Haltung. "Jeder Tag ist eine neue Herausforderung." Und darum geht es schließlich in der Karpfenzucht.

Auch weil der Markt für die außergewöhnlichen Zuchtfische in Japan stetig schrumpft. Konishi und die Konkurrenz schauen daher mittlerweile vor allem auf den Auslandsmarkt. Anfang April etwa reisen zahlreiche japanische Züchter nach Deutschland. Dann beginnt im nordrhein-westfälischen Kalkar die internationale Messe InterKoi. Dort wollen sie für ihre Lieblinge aus der Heimat werben.

Hiroshima ist die Hochburg der Karpfenzucht; genauso wie für den Fall der Atombombe Ende des Zweiten Weltkriegs steht die Ein-Millionen-Stadt in Japan für den überall als stolz und edel geschätzten Zierfisch Koi. An Hiroshimas Bahnhof verkaufen Souvenirläden kleine Karpfenrepliken, der große Baseballklub der Region nennt sich Hiroshima Carps, die "Karpfen von Hiroshima".

Zum großen Teil ist dieses Image der Stadt Konishis Familienbetrieb zu verdanken. Die Konishi Koi Farm ist der weltweit größte Exporteur der Zierfische, 30.000 Stück verlassen jährlich den Hof in alle Länder der Welt, gut 150 Millionen Yen spielt das ein. Das sind umgerechnet rund eine Million Euro. Ständig schaut die weltweite Fachwelt auf neue Trends der rund 500 Züchter Japans, darunter eben auch Konishi.

Kois schmecken eher mäßig und stinken ein bisschen

Weltweit sind Koikarpfen zwar erst seit rund drei Jahrzehnten so richtig en vogue, in Japan hat die Zucht aber eine mindestens 100 Jahre alte Tradition. Joji Konishis Großvater, einer der Pioniere der Zucht, stieß damals in Niigata, 1.000 Kilometer nordöstlich von Hiroshima, auf eine Handvoll ihm unbekannter Fische, die in Naturteichen schwammen. Die Kois wurden als Nahrungsmittel gehalten, was heute kaum noch üblich ist. "Es sind ja Süßwasserfische, die schmecken eher mäßig", sagt Konishi und verzieht das Gesicht. "Sie stinken auch ein bisschen."

So gefielen auch seinem Großvater die Fische lebendig besser. Ein paar nahm er mit nach Hiroshima, um sie dort nach den Zuchtregeln aus Niigata zu pflegen. Nach und nach machte sich der Karpfen einen Namen als Symbol des Edlen und Stolzen. Das Kaiserhaus in Tokio schmückte seine Teiche bald mit den Koi. In den 1960er Jahren, als Japans Wirtschaft boomte, mussten schon in jedem Teich schickerer Restaurants oder privater Gärten auch diese bunten Fische schwimmen. Allmählich schwappte die Begeisterung ins Ausland über.

Die Farm Konishi nahe des Zentrums von Hiroshima sieht von außen aus wie ein großes Gewächshaus, das Innere erinnert an einen Zoo. Auf dem Weg zum Büro des Chefs schwimmen links und rechts in unterschiedlichen Becken Karpfen aller möglichen Größen, Muster und Farben. Am Rand sind Preise gelistet, teilweise mehrere Tausend Euro pro Stück. Die teuersten Fische, mehr als ein Meter lang, können umgerechnet bis zu 70.000 Euro kosten.