Seit mehr als 15 Jahren wurde die Copernicus-Mission akribisch geplant. In der Nacht zum 4. April, kurz nach 23 Uhr deutscher Zeit, ist der erste Satellit des Projekts vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou, Französisch-Guayana, ins All gestartet.

Der 2,2 Tonnen schwere Satellit Sentinel-1A wird mit seinem Hightech-Radar die Oberfläche der Erde bei allen Wetterlagen abtasten und ist der erste Baustein der groß angelegten Copernicus-Mission.

Die neue Mission soll in Zukunft das beste Erdbeobachtungssystem der Welt ermöglichen. Doch obwohl es neben dem GPS-Konkurrenten Galileo das zweite Flaggschiff der Europäischen Raumfahrtbehörde Esa ist, ist das Projekt so gut wie unbekannt.

Copernicus fasst Satellitendaten und Informationen vom Boden zusammen und liefert so in Echtzeit ein detailliertes Bild der Erde. Alle drei Tage erstellt das Programm eine Komplettaufnahme des europäischen Kontinents und seiner Gewässer.

Das neue Instrument ist für Klimaforscher interessant, die Meeresströmungen analysieren, das Abschmelzen der Polkappen oder die Erosion der Strände verfolgen, für Landschaftsplaner, die sehen, wie und wo Fläche versiegelt wird, für Landwirte, die mit hochauflösenden Daten ihre Ernten besser planen können oder für Versicherungen, die Risikokarten erstellen.

Vor allem im Falle von Naturkatastrophen sollen die Sentinel-Satelliten der Copernicus-Mission ihre Stärken ausspielen: In Rekordzeit lassen sich mit den Augen aus dem All Bilder und Karten erstellen, mit denen sich Einsätze schneller und präziser als je zuvor leiten lassen. Bis auf fünf mal fünf Meter genau soll die Auflösung der Bilder sein.  

Daten in Spionagequalität

Laut Volker Liebig würden mit den Daten zu 90 Prozent Klima- und Umweltfragen beantwortet werden. Er ist bei der Esa für das Erdbeobachtungsprogramm zuständig. Nicht so gerne redet er über die verbleibenden 10 Prozent: den Sicherheitsaspekt.

So hieß Copernicus in der Planungsphase noch GMES, Global Monitoring for Environment and Security. Der Name macht deutlich, dass Copernicus künftig Daten zur Verfügung stellen kann, die bis vor nicht allzu langer Zeit noch militärischen Spionagesatelliten vorbehalten war. Deshalb schauen nicht nur Klimaforscher interessiert nach Kourou, sondern auch Sicherheitsbehörden, Polizei und Militärs. Ihnen bietet das Programm eine Menge interessanter Anwendungsmöglichkeiten, die Copernicus-Chef Liebig in Fachkreisen gerne bewirbt, öffentlich aber nicht so gerne anspricht.

Das hat seinen Grund: Umstrittene Einrichtungen wie das europäische Netzwerk zum Überwachen der Grenzen Eurosur werden genauso auf Copernicus-Informationen zugreifen, wie die Grenzschutztruppe Frontex, der eine Mitschuld vorgeworfen wird, als Ende vergangenen Jahres Hunderte Flüchtlinge im Mittelmeer ertranken.

Liebig sieht darin kein Problem der Esa: "Viele Dinge können auf zwei Arten genutzt werden. Wenn man die Route eines Schiffs verfolgt, das altes Öl ins Meer kippt, kann man auch die Route eines Schiffs verfolgen, dass Waffen in den mittleren Osten bringt." Das Problem sei nicht die Technologie an sich, die sei erst einmal neutral. Über die Verwendung der Daten entscheiden andere.