Zuerst gefeiert, dann geächtet: Die japanische Forscherin Haruko Obokata hat mit ihrer aufsehenerregenden Forschung zu verjüngten Zellen schnell Berühmtheit erlangt. Ebenso schnell sah sie sich mit dem Vorwurf der Manipulation und Datenfälschung konfrontiert. Jetzt hat Obokata ihre Forschungsergebnisse erstmals öffentlich verteidigt: Sie und ihre Kollegen hätten mehr als 200 Mal erfolgreich STAP-Zellen produziert, sagte Obokata am Mittwoch auf einer landesweit live im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz. 

Die 30-jährige Wissenschaftlerin hatte zuvor eine formelle Beschwerde gegen das Urteil ihres Arbeitgebers, das staatlich geförderte Riken-Institut, eingereicht. Das Institut hatte sie der stellenweisen Manipulation und Fälschung beschuldigt.

Das Team um Obokata aus Japan und den USA hatte Ende Januar in Nature berichtet, dass es unter anderem mit Säure Körperzellen neugeborener Mäuse in eine Art embryonalen Zustand zurückversetzt hätte (Obokata et al., 2014 & Obokata, et al, 2014). Es hätte ausgereicht, T-Zellen in Flüssigkeit mit einem pH-Wert von 5,4 bis 5,8 baden zu lassen, schrieben die Forscher. Das Entstehen von Pluripotenz durch einen Reiz, stimulus-triggered acquisition of pluripotency, nannten sie kurz STAP.

Diese STAP-Zellen könnten sich wieder in nahezu jedem Zelltyp entwickeln, berichtete das Team damals. Allerdings fand das Institut heraus, dass Aufnahmen in der Studie solchen aus Obokatas Doktorarbeit aus dem Jahr 2011 ähnelten.

Sie habe gedacht, dass das kein Problem sei, solange sie die Ergebnisse ihrer Forschung richtig präsentiere, sagte Obokata. Es sei nicht irreführend gewesen und daher auch keine Fälschung. Sie habe die Darstellungen kopiert, um ihre Präsentation eingängiger aussehen zu lassen. Sie habe die Daten zudem nicht richtig verwaltet. Sie sei aber auch nicht richtig ausgebildet worden, wie mit solchen Darstellungen in Forschungspapieren umzugehen sei, fügte sie hinzu.

"Das Ergebnis ist richtig"

Die Japanerin entschuldigte sich, für Zweifel an der Studie gesorgt zu haben. Gleichzeitig steht sie zu ihren Untersuchungen. "Leute sagen, ich sollte die Papiere zurückziehen, aber das würde bedeuten, dass meine Forschung komplett falsch sei. Ich kann das der Welt nicht sagen, da das Ergebnis richtig ist", sagte die junge Wissenschaftlerin. Das Experiment sei korrekt durchgeführt worden.

Der ebenfalls an der Arbeit beteiligte Harvard-Forscher Charles Vacanti ist bislang der einzige, der die Studie öffentlich verteidigt. Er ist überzeugt, dass die jetzt offenbar gewordenen Fehler nichts an der grundsätzlichen Gültigkeit der Ergebnisse ändern.

Das renommierte Riken-Institut hatte angekündigt, die Existenz der Zellen in Labortests nachprüfen zu wollen. Dies werde ein Jahr dauern. Obokata werde an den Labortests nicht beteiligt. Derweil hatten ihre Vorgesetzten Mitte März bei der Veröffentlichung des ersten Zwischenberichts der Untersuchungskommission nur zögerlich angedeutet, im Ernstfall eine Mitverantwortung zu übernehmen.