In meiner vorigen Kolumnenfolge ging es um die Grenzen des Chip-Designs und das Tempo der Globalisierung. Die Reaktionen darauf sind ausgesprochen lehrreich. Vor allem wenn man sie nicht als Reaktionen, sondern als Aktionen liest: Die User griffen zwar den einen oder anderen Gedanken auf, bauten dann aber mit- und gegeneinander etwas, das wir in Anlehnung an Joseph Beuys eine "soziale Plastik" nennen könnten.

Ein diskursives Gebilde also, und wer sich hineinbegibt, kann eine ganze Menge lernen. Technisch als auch politisch Interessierte beteiligten sich – und natürlich jene, die beides sind. Das macht diesen Diskurs so besonders – aber zugleich schwierig. Die beiden Lager hatten sich einiges mitzuteilen, und trotzdem: Hin und wieder redete, besser: schrieb man aneinander vorbei.

Damit sind wir mittendrin im alten Problem der "zwei Kulturen". Wissenschaft und Technik auf der einen, Sozial- und Geisteswissenschaften auf der anderen Seite versprechen einander regelmäßig, sich um gemeinsame Themen zu bemühen. Aber eine Erfolgsgeschichte ist das nicht, trotz ehrenwerter Bemühungen an Hochschulen. Liegt das wirklich nur an den Bornierten auf beiden Seiten, die derartigen Brückenbau als wenig fachgerecht ansehen, oder vielleicht doch daran, dass die Schnittmenge der beiden Unternehmungen zu schmal ist?   

Erstens, glaube ich, sind beide Vermutungen richtig. Zweitens aber ändert sich da etwas, muss sich etwas ändern. Denn die Technisierung und Verwissenschaftlichung der Gesellschaft und Kultur tritt gegenwärtig in eine neue Phase.

Der Mensch als Teilchen einer Technosphäre

Angedeutet hatte sie sich schon in den Auseinandersetzungen um Kernenergie und Biotechnik, in deren Zentrum bis heute die Frage steht, welche Risiken sich der Mensch zumuten sollte. Das historisch Neue ist die Demokratisierung solcher Diskussionen; dass sie nicht bloß Sache der Experten sei, mussten die Experten erst einmal lernen. Heute sind wir so weit, dass die Bürger über Derartiges nachdenken und dass die Parteien ihnen zu diesen Themen politische Angebote machen müssen.

Das ist schon einmal ein guter Ausgangspunkt. Denn nun steht die Gesellschaft nach der Kernenergie und der Biotechnik vor der dritten großen Frage nach dem richtigen Leben: Wie soll die Informatisierung weitergehen? 

Damit ist nicht bloß die Frage nach der Entflechtung von Google, nach Grenzen für Facebook und nach Schutz vor staatlicher Überwachung gemeint, es geht um mehr. Software, Hardware, Architektur, Alltagsgegenstände, Medizin, Psychologie verschmelzen, es entsteht eine Technosphäre, in der Homo sapiens nur ein Element ist, vielleicht noch als Maß der Dinge, namentlich der Roboter, aber in Zukunft vielleicht nicht einmal mehr das. Darüber wird unter Experten für Mensch-Maschine-Beziehungen ernsthaft diskutiert, und zwar schon seit geraumer Zeit.