Was gibt es zu essen? Eine Frühmenschen-Familie sitzt ums Feuer im Neandertaler-Museum im kroatischen Krapina. © Reuters/Nikola Solic

Darauf hat der moderne Mensch gewartet. Nicht, dass wir nicht schon genug intime Details aus dem Leben unseres ausgestorbenen Verwandten, dem Neandertaler, erfahren mussten. Vom Mythos, der vermeintliche Primitivling würde keuleschwingend um Höhlen flitzen, mal abgesehen. Seit Genetiker frühmenschliche Knochen mahlen, um daraus Erbgut zu ziehen, wissen wir mehr, als manchem lieb ist: Etwa, dass wir uns Gene für Haut und Haar teilen, weil unsere Urahnen hin und wieder mit dem Neandertaler aufs Fell stiegen. Und nun blicken wir in seine organische Hinterlassenschaft.

Die Stuhlproben haben Archäologen und Biogeologen im Südosten Spaniens ausgemacht. Rund um die Ausgrabungsstätte El Salt hatten Ainara Sistiaga von der Uni in La Lagunaund ihr Team gesucht. Dort, wo vor Jahrtausenden mal Neandertaler hausten, fanden die vier Forscher zwar keine Häufchen, wohl aber Kotreste in der Gesteinsschicht. 50.000 Jahre alt sei die damit älteste "Ermittlung menschlicher Fäkalien auf molekularer Ebene", schreiben sie in ihrer im Magazin PLOS ONE veröffentlichten Studie (Sistiaga & Mallol & Galván & Summons, 2014). 

Die fünf Bodenproben offenbaren trotz ihres stattlichen Alters: "Neandertaler aßen wahrscheinlich, was in verschiedenen Situationen, Jahreszeiten und klimatischen Bedingungen vorhanden war", sagt Sistiaga. Klingt banal, soll aber heißen, dass die Hominiden eben nicht nur Fleisch aßen.

Pflanzenreste im Zahn und im Darm

Denn während Wissenschaftler das Erbgut des Homo neanderthalensis längst praktisch ausbuchstabiert haben, ist bis heute nicht eindeutig klar, was er so durch seinen Verdauungsapparat schickte. Knochenbauanalysen waren hier bislang wenig aussagekräftig. Spuren von Kohlenstoff- und Stickstoffvarianten in versteinerten Hominidenresten könnten zwar Belege dafür sein, ob Neandertaler nun Schwein oder Rind bevorzugten, aber weniger, ob sie auch auf vegetarische Alternativen auswichen (Ecker et al., 2013).

Allerdings identifizierten weitere Forscher bereits im fossilen Belag von Neandertalerzähnen pflanzliche Spuren. Was sagt uns das? Entweder haben sich die Frühmenschen nun Wurzeleintopf gekocht oder ihre Zähne als Schleif- und Schnittwerkzeuge genutzt, um Pflanzen für andere Dingezu verwenden, zum Beispiel als Medizin (Henry et al., 2010; Hardy et al., 2012). "Wir können nicht davon ausgehen, dass sie tatsächlich Pflanzen aßen, nur weil es passende Rückstände in ihren Zähnen gibt", sagt Sistiaga. Die Archäologin ging deshalb anders vor und suchte nicht nach Essensresten an Töpfen oder Werkzeugen, sondern nach den direkten Hinterlassenschaften kulinarischer Genüsse. 

Im Gestein. "Archäologie besteht zu 90 Prozent aus Sediment", sagt sie. Und hier stießen sie und ihr Team auf den Hominidenkot. Oder besser auf das, was davon übrig war. Aus fünf Bodenproben isolierten die Forscher im Labor mikroskopisch kleine organische Überreste, nachdem sie das Sediment zermalmt hatten. Dann suchten sie nach bestimmten Molekülen, die entstehen, wenn etwa der Körper Pflanzen und Fleisch verdaut hat. Für Letzteres ist das Lipid Coprostanol ein Biomarker, für Grünzeug 5β-Stigmastanol. Das Sedimentkotgemisch trennte ein Gaschromatograph auf, ein daran gekoppeltes Massenspektrometer identifizierte schließlich die organischen Moleküle und ihre Konzentration. Anschließend mussten die Forscher noch klären, ob in Südostspanien nun Frühmenschen oder Tiere ihr Geschäft gemacht hatten. Das ließ sich aus der gefundenen Menge an Biomarkern und ihren Verhältnissen zueinander schließen. Denn die menschliche Darmflora verarbeitet Fleisch und Pflanzen etwas anders als etwa ein Schwein.