Am Donnerstag ist Malaysia-Airlines-Flug MH17 in der Ukraine abgestürzt. Kurz nach den ersten Meldungen begannen Russland und die Ukraine, sich gegenseitig die Schuld für den Abschuss der Boing 777 zu geben. Derzeit mehren sich die Indizien, dass von Russland unterstützte Separatisten das Passagierflugzeug in der Ukraine mit Raketen vom Himmel holten. Schon jetzt steht fest: MH17 wird die internationale Auffassung des Konflikts grundlegend ändern. Umso wichtiger ist es herauszufinden, wie es so weit kommen konnte.

Wie könnte eine unabhängige Untersuchung aussehen?

Die Staatengemeinschaft hat sich bei Flugzeugunglücken eigentlich auf ein Prozedere geeinigt. Demnach bekommt nicht nur ein Vertreter der Flugsicherung des Landes, in dem das Unglück geschah, Zutritt zur Unglücksstelle, sondern auch ein Fachmann  aus dem Land, in dem das Flugzeug registriert war (für Flug MH17 also Malaysia). Auch ein Vertreter des Herstellers – hier das amerikanische Unternehmen Boeing – ist an den Untersuchungen beteiligt. Das Problem ist jedoch: Sollte die Maschine tatsächlich abgeschossen worden sein, würde es sich um kein normales Flugunglück handeln. Für einen solchen Fall gibt es kaum verbindliche Regeln. Das letzte größere Ereignis, in dem ein Passagierflugzeug in einer militärischen Aktion abgeschossen wurde, war der Iran-Air-Flug 655 aus dem Jahr 1988.

Was für eine Maschine war Flug MH17?

Das Flugzeug war eine Boeing 777-200, registriert als 9M-MRD, gebaut 1997. Betrieben von Malaysia Airlines war sie als Flug MH17 mit 298 Passagieren an Bord auf dem Weg von Amsterdam Schiphol zum Kuala Lumpur International Airport.

Der Luftraum über der Ostukraine war am Donnerstag bis zu einer Höhe von 32.000 Fuß gesperrt. Auch weil bereits in den vergangenen Wochen der Krimkrise schon Flugzeuge in niedrigerer Höhe abgeschossen worden sind. Nach bisherigen Kenntnissen flog die Maschine den Großteil ihrer Strecke auf 31.000 Fuß, stieg aber auf 33.000, als sie die Grenze des ukrainischen Luftraums passierte. Lesen Sie hier mehr zu den Sperrzonen und wie der Luftverkehr geregelt ist.

Wie genau lässt sich ein Flugzeug orten?

Eine Boeing gleicht einem gigantischen Funkmast, der permanent seine Position übermittelt. So gibt es an Bord einer Maschine gleich mehrere Systeme, die den Standort des Flugzeugs verraten.

ADS-B-Transpoder: Heutzutage sind zirka 65 Prozent aller Passagierflugzeuge mit einem ADS-B-Transponder ausgestattet. Die Abkürzung steht für automatic dependent surveillance-broadcast. Hierbei bestimmen Flugzeuge selbstständig – also automatisch – ihre Position. Diese und andere Informationen, wie der Flugzeugtyp und die geplante Flugrichtung, werden von dem Transponder an Bord kontinuierlich gesendet, zum Beispiel an Kontrollstationen. Während in Europa schon gut 75 Prozent der Flugzeuge mit dem System ausgestattet sind, sind es erst 35 Prozent der Maschinen in den USA. Die Zahlen steigen jedoch, da ADS-B das klassische Radar als wichtigste Überwachungsmethode ersetzt. Die nötigen Empfangsstationen für das Signal sind nahezu flächendeckend in Europa verteilt.

ACARS: Dieses System ist eine Art Pannenmelder. Die Triebwerke und andere Teilsysteme des Flugzeugs übertragen konstant ihren Zustand an die Ingenieure am Boden, damit diese Reparaturen frühzeitig vorbereiten können. Gleichzeitig übermittelt das System seine aktuelle Position. Die Übertragung geschieht via Satellit oder Funkstationen am Boden.

Funk: Piloten geben in regelmäßigen Abständen ihre Position über den normalen Funk bekannt. Zudem kann mithilfe eines Funksignals rekonstruiert werden, wo sich ein Flugzeug während eines Funkspruchs befand. Aus der zeitlichen Verzögerung, mit der ein Signal verschiedene Bodenstationen erreicht, lässt sich der Ort näherungsweise bestimmen.

Satellitensignale: Viele Flieger moderneren Bautyps haben einen Sender an Bord, der auch mit Satellitensignalen kommuniziert. Allerdings ist die Technik nicht auf präzise Ortung ausgelegt, mithilfe des Signals lässt sich nur ein Radius festlegen, von dem aus das Flugzeug gesendet haben muss.