Offshore-Windparks nehmen seit Jahren eine zentrale Rolle in der Energiewende ein. Ebenso lange wird bereits diskutiert, welche Auswirkungen sie auf die Tier- und Pflanzenwelt haben. Umweltschützer befürchten, dass allein der Baulärm Meeressäuger, wie etwa Schweinswale, aus ihrem Lebensraum vertreibt und dass Zugvögel durch die Windräder von ihrer Route abgebracht werden. Nun gibt es Anzeichen für einen positiven Effekt: Seehunde schätzen Offshore-Windkraftanlagen offenbar als üppige Nahrungsquelle (Russell et al., 2014).

"Ich war überrascht, als ich das Bewegungsmuster sah", sagt die Biologin Deborah Russell von der schottischen Universität St. Andrews. Gemeinsam mit Kollegen hatte sie mehr als 100 Seehunde und Kegelrobben mit GPS-Sendern ausgerüstet, um sie auf ihrer Jagd nach Futter virtuell zu begleiten. "Auf direktem Wege schwammen sie zwischen den Windrädern hin und her". Auch unterseeische Pipelines seien beliebt. Daraus lasse sich schließen, dass derlei Parks möglicherweise ein attraktives Jagdgebiet für die Meeressäuger seien.

Um diese These sicher zu belegen, reicht das, was die Forscher beobachtet haben, aber noch nicht aus. Die Anzahl der mit Sendern versehenen Tiere, die tatsächlich zwischen den Windrädern jagten, war zu klein, um handfeste Rückschlüsse zu ziehen. Gerade mal elf Seehunde trackten die Forscher, wie sie gezielt die Windparks Alpha Ventus in der Deutschen Bucht und Sheringham Shoal vor der Ostküste Großbritanniens anschwammen. Zwei weitere Tiere folgten wiederholt und bis zu zehn Tage lang Pipelines unter Wasser.

Ob es in Windparks mehr Nahrung gibt, zeigt die Studie nicht

Russel weist daher selbst darauf hin, dass die Ergebnisse ihrer Untersuchung dürftig sind: "Nur wenige Tiere nutzten Windparks für ihre Zwecke." Auch bleiben zahlreiche Fragen offen. Etwa, ob es in den Windparks insgesamt mehr Nahrung gibt oder ob sich nur bestimmte Beutetiere in den Anlagen sammeln. Möglicherweise wirkten die Konstruktionen als künstliche Riffe, sagen die Forscher. Weitere Studien sollen folgen, um das zu klären.

"Wenn flächendeckend Windparks entstehen, werden viel mehr Seehunde betroffen sein", sagt Russel. Daher sei es sinnvoll, schon jetzt zu prüfen, welche Auswirkungen die Bauten haben. In Zukunft ließen sich Offshore-Parks dann so konstruieren, dass die Tiere den größten Nutzen daraus ziehen.

Bisher gibt es kaum Untersuchungen darüber, wie sich die Energiegewinnung im Meer auf Tiere und Pflanzen auswirken. Vermehrt hatte sich aber schon gezeigt, dass Offshore-Anlagen wahre Biotope sein können. In diese Indizienkette reihen sich Russel und ihre Kollegen mit ihrer Beobachtung ein.

Zuletzt hatte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie im November vergangenen Jahres eine Analyse vorgestellt, derzufolge die Parks sich kaum negativ auf die Umwelt auswirken. Demnach breiten sich um Alpha Ventus einige Fischarten aus, weil Fischerei dort verboten ist. Vogelschlag an den Rotorblättern gebe es kaum, der Baumlärm habe Meeressäuger wie Schweinswale nur zeitweise vertrieben. Umweltschützer kritisierten die Ergebnisse aber als verfrüht und übertrieben positiv dargestellt.