Die liberianische Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf hat wegen der anhaltenden Ebola-Epidemie den Notstand in ihrem Land ausgerufen. Deshalb könnten einige Bürgerrechte eingeschränkt werden, sagte sie in einer Ansprache.

Beobachter sehen eine Verschärfung der Krise in dem westafrikanischen Land, weil viele Menschen ihre Angehörigen lieber zu Hause pflegen als sie auf Isolierstationen zu bringen. Bislang sind mindestens 282 Menschen in Liberia an Ebola gestorben, das über Körperflüssigkeiten der Erkrankten übertragen wird. "Ignoranz und Armut, aber auch fest verwurzelte religiöse und kulturelle Praktiken tragen weiter zur Ausbreitung der Krankheit bei", sagte Sirleaf.

Den Gesundheitsbehörden der bislang betroffenen Länder Guinea, Liberia, Sierra Leone und Nigeria wurden bereits mehr als 1.600 Fälle von Ebola oder Ebola-Verdacht gemeldet, mehr als 900 Menschen starben. Mit fast 700 Fällen ist Sierra Leone am stärksten betroffen. Neun Fälle wurden inzwischen für Nigeria gemeldet, das bevölkerungsreichste Land Afrikas.

In Sierra Leone brachte Präsident Ernest Bai Koroma die Armee im Kampf gegen Ebola in Stellung. Er ordnete die Entsendung Hunderter Soldaten in die Krankenhäuser an, um die Einhaltung der Quarantäne-Vorschriften durchzusetzen. Damit sollten Familien und Freunde mutmaßlicher Ebola-Kranker davon abgehalten werden, die Patienten ohne Zustimmung der Ärzte heimzuholen, erklärte ein Präsidentensprecher.

Die USA wollen ein mögliches Mittel gegen Ebola, mit dem bislang zwei Patienten behandelt wurden, weiter testen. Es sei noch zu früh, um genaue Aussagen über den Wirkstoff zu treffen, sagte Präsident Barack Obama am Ende des dreitägigen Afrika-Gipfels in Washington. Ein weiteres Ausbrechen der sehr brutalen Krankheit müsse so früh wie möglich gestoppt werden, betonte er.

Die zwei Ebola-Patienten aus den USA waren anscheinend erfolgreich mit dem Mittel ZMapp behandelt worden. Nach dem Arzt Kent Brantly zeige auch der zweite Patient "ermutigende Zeichen", erklärten die Kinder der 59-Jährigen, die für eine christliche Hilfsorganisation Ebola-Kranke in Liberia betreut hatte.