Brainjacking, das

aus brain (engl. Gehirn) und hijacking (engl. Entführung)

Es gibt bereits mehrere Ausdrücke dafür: Brain Spyware, Hirnwellen-Hacken oder eben Brainjacking – zu Deutsch etwa Gehirnentführung. Gehirnentführung? Ja, eine Schurkerei der Zukunft. 

Leicht zu erklären ist sie nicht eben. Doch wer hätte vor 15 oder 20 Jahren glauben mögen, womit heutige Computerkriminelle agieren: Phishing-Attacken, gefälschte Bankwebsites und vorgetäuschte Sicherheitsüberprüfungen, um Passworte und PINs zu klauen. Mit denen dann reales Geld gestohlen wird. Das Einfallstor ist der PC. Was aber wäre, wenn in ein paar Jahren ein neues Gerät Einzug in die Haushalte hielte, eines mit der Fähigkeit, Hirnströme auszulesen und damit Computer oder Smartphones zu steuern. Dystopie?

Nein, bereits Realität. Die ersten serienreifen Produkte existieren. Sie messen grob gesagt die Hirnaktivität, und geübte Nutzer können mit ihrer Hilfe einfache Kommandos geben (Hoch/Runter, An/Aus – etwas auf diesem Niveau). Sicherheitsexperten haben mit ihnen dem Gehirn (engl. brain) auch Geheimzahlen entlocken können, ohne dass die Nutzer es merkten. Unsichtbar kurz ließen sie auf einem Bildschirm Zahlen aufblitzen, und die Hirnreaktionen verrieten, ob diese beispielsweise in der PIN fürs Onlinebanking vorkamen.

Leicht könnten Schurken so eine Spionagefunktion verfeinern und in einer scheinbar harmlosen, gedankengesteuerten App verstecken. Die Geheimzahl würde regelrecht aus dem Hirn des Nutzers entführt, dafür steht der zweite Wortbestandteil, hijacking, der in den siebziger Jahren im Zusammenhang mit gekaperten Flugzeugen über das Englische hinaus Verbreitung gefunden hat. Längst muss er für Wortneuschöpfungen in der virtuellen Welt herhalten – etwa Threadjacking oder Clickjacking – und schon bald könnte er eben auch für die Gefahren von Hirnschnittstellen stehen.

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Klonschaf, Genomanalyse und Suchmaschine – noch vor ein, zwei Jahrzehnten hätte kaum ein Zeitgenosse damit etwas anzufangen gewusst, mittlerweile dürften praktisch jedem diese Vokabeln geläufig sein. Die Neuzugänge in unserem Vokabular zeigen, wie sich unsere Welt verändert hat. Aber welche Spuren werden just in diesem Moment hinterlassen? Stefan Schmitt sucht in der Kolumne "Worte von morgen" diese Vokabeln. Im Buch "Von der Digitaldemenz zum Infoveganer" stecken 99 weitere Worte von morgen. Folgen Sie @wortevonmorgen auch auf Twitter.