Datenarchäologie, die

aus Daten (von lat. datum, das Gegebene) und Archäologie (von griech. archaios, alt, und lógos, Lehre)

Wenig mehr als kleine Scherben, Fasern, Schnipsel – das Handwerk eines Archäologen ist eine Lektion in Demut. Ausgrabungen sind Geduldssache und ihre Realität ist von Heinrich Schliemann (Troja) ebenso weit entfernt wie von Indiana Jones (Hollywood). Die Vergangenheit, sie lässt sich so mühselig rekonstruieren, weil halt von Menschenhand Gemachtes höchst vergänglich ist!

Und schneller noch als steinerne Stelen, tönerne Tafeln und allerlei Schriften auf Papyrus, Pergament oder Papier verschwinden jene Spuren, welche die Menschheit seit Mitte des 20. Jahrhunderts hinterlässt, digitale Daten. Lochkarten, Bänder, Disketten, Festplatten und Speicherchips: Alle paar Jahre ändern sich die Datenträger, und die Vielfalt der Dateiformate sprießt dazu.

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Museen müssen Digital-Kuratoren einstellen, die alte Floppy Disks sichten. Die NASA klaubte bereits alte Fragmente zusammen, um Satellitenmessungen aus den Sechzigerjahren zu rekonstruieren. Bei so einer Rettung – verhältnismäßig – alter digitaler Aufzeichnungen spricht man von Datenarchäologie. Und das Wort lässt ahnen: Diese Geduldsarbeit fängt gerade erst an.

Klonschaf, Genomanalyse und Suchmaschine – noch vor ein, zwei Jahrzehnten hätte kaum ein Zeitgenosse damit etwas anzufangen gewusst, mittlerweile dürften praktisch jedem diese Vokabeln geläufig sein. Die Neuzugänge in unserem Vokabular zeigen, wie sich unsere Welt verändert hat. Aber welche Spuren werden just in diesem Moment hinterlassen? Stefan Schmitt sucht in der Kolumne "Worte von morgen" diese Vokabeln. Im Buch "Von der Digitaldemenz zum Infoveganer" stecken 99 weitere Worte von morgen. Folgen Sie @wortevonmorgen auch auf Twitter.