Bewohner eines unter Quarantäne stehenden Viertels von Monrovia, Liberia © James Harding Giahyue/Reuters

Menschen sind geflohen oder trauen sich nicht mehr aus dem Haus. Äcker sind verwaist, werden nicht bestellt. Allmählich wird Nahrung knapp. Die Folge: Preise für Getreide, Obst und Gemüse steigen. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) warnt davor, dass sich Menschen in Guinea, Liberia und Sierra Leone bald nicht mehr mit Lebensmitteln versorgen können. Auch sei die in wenigen Wochen anstehende Haupternte für Reis und Mais gefährdet.

Die Ebola-Epidemie in Westafrika wird inzwischen auch zu einer großen Belastung für diejenigen, die nicht erkrankt sind. Schon vor dem Ausbruch haben Familien in einigen Gebieten oft weit mehr als die Hälfte ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben müssen. In Liberias Hauptstadt Monrovia kostet das Grundnahrungsmittel Maniok mittlerweile mehr als doppelt so viel wie noch vor wenigen Wochen. Einen Preisanstieg um 150 Prozent in den ersten Augustwochen verzeichnete die FAO. Um kurzfristig zu helfen, will das Welternährungsprogramm (WFP) nun für 65.000 Tonnen Lebensmittel an 1,3 Millionen Menschen liefern.

Trotzdem dürfte die Lage sich weiter verschärfen, da Grenzen abgeriegelt sind und kaum noch Handel zwischen den Staaten in der Region getrieben wird. Reiseverbote behindern die Arbeit der medizinischen Helfer und verunsichern die Nicht-Infizierten zusätzlich. Vor allem aber die notwendigen Quarantänemaßnahmen, um die Seuche einzudämmen und Gesunde von Erkrankten zu trennen, bringen den Alltag zum Erliegen.    

Mehr als 3.000 Menschen hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) aktuell registriert, die sich nachweislich mit Ebola infiziert haben oder unter denen begründeter Verdacht dazu besteht. Mindestens 1.500 sind an den Folgen des Virus bereits gestorben. Sicherlich sind weit mehr Menschen betroffen, nicht alle Fälle können derzeit gezählt und bestätigt werden. Etwa jeder zweite, der sich mit dem Erreger ansteckt, überlebt nicht. Medikamente oder Impfstoffe gibt es nicht. Allerdings hat die bislang schlimmste Ebola-Epidemie die Forschung an Arzneimitteln beschleunigt.

Erste Impfstofftests in den USA angelaufen

So beginnen diese Woche erste Tests in den USA mit einem Impfstoff gegen das Virus. Wissenschaftler des US-Instituts für Allergien und ansteckende Krankheiten (NIAID) haben die Vakzine gemeinsam mit dem Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline entwickelt. Die Tests prüfen allein die Verträglichkeit des Mittels, welches in Tierversuchen bereits erfolgreich erprobt worden ist. Das heißt: Gesunde Probanden erhalten den Impfstoff, um dessen Sicherheit zu gewährleisten und mögliche Nebenwirkungen zu erkennen.

Die Vakzine basiert auf einem Adenovirus, der in Schimpansen Erkältungen auslöst. Der Erreger kann sich nicht vermehren und schleppt genetisches Material mit sich. Dies wiederum regt in Ebola-infizierten Zellen die Immunabwehr an. GlaxoSmithKline will parallel zu den Sicherheitstests 10.000 Dosen in den kommenden Wochen und Monaten herstellen. 

Ein zweiter Impfstoff ist auch vielversprechend. VSV-EBOV funktioniert ähnlich wie die Vakzine mit dem Adenovirus. Das Mittel wurde von der kanadischen Gesundheitsbehörde zusammen mit der Firma New Link Genetics entwickelt und arbeitet mit einem Tollwut-Erreger verwandten Virus (Englisch: Vesicular Stomatitis Virus).

Das Besondere an beiden Impfstoffen: Sie können nicht nur vorbeugen, sondern auch Minuten oder Stunden nach einer Infektion noch helfen (Marzi et al., 2011).

In Westafrika werden diese Arzneien nicht mehr helfen können. 48 Wochen, also fast ein Jahr, wird es allein schon dauern, um die Verträglichkeit des Adenovirus-Mittels zu testen. Ende des Jahres sollen vorläufige Ergebnisse kommen. Ob der Impfstoff aber letztlich überhaupt so wirkt, wie es Affenversuche nahelegen, ist völlig offen. Gleiches gilt für VSV-EBOV

Auch das experimentelle Mittel ZMapp, das sehr wenigen Infizierten helfen konnte, wird unter Nachdruck weiterentwickelt. 18 eigentlich tödlich erkrankte Affen heilte das Mittel in einem Laborversuch noch fünf Tage nach einer Infektion (Qiu et al., 2014). Doch auch dies bedeutet keine Rettung für derzeit Erkrankte und Infizierte, sondern eine unsichere Hoffnung für künftige Epidemien. ZMapp ist noch nicht an Menschen getestet oder erprobt, damit nicht zugelassen. Zudem würde die Herstellung einer ausreichenden Menge Monate dauern, wenn die Arznei denn überhaupt helfen kann.