Helfer tragen Leichensäcke von der Absturzstelle des Flugs MH17. ©Anastasia Vlasova/EPA/dpa

30 Millionen Dollar für die Wahrheit – so einfach und so spektakulär klingt der Auftrag, den die Wirtschaftsdetektei Wifka aus der Nähe von Lübeck angenommen hat. Sie soll mithilfe des Kopfgeldes herausfinden, wer am 17. Juli Malaysia Airlines Flug MH17 über der Ukraine abschoss und damit 283 Passagiere und 15 Crew-Mitglieder tötete.

Privatermittler Josef Resch, der den Auftrag ausführen soll, gibt sich optimistisch und glaubt, dass wichtige Quellen mit ihm reden werden. "Jeder ist käuflich, es ist nur eine Frage der Summe", sagte er dem Magazin Capital. Doch können private Ermittler wirklich das Rätsel um den Absturz klären?

Wolfgang Richter, Militärexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik, ist skeptisch: "Um das herauszufinden, müssen die Ermittler entweder Kenntnisse aus den engsten Führungs- und Regierungskreisen bekommen oder einen der Schützen zum Sprechen bringen. Beides kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen." Laut Richter steht die Detektei Wifka gleich vor mehreren Problemen.

Wird das Geld sogar die Ermittlungen behindern?

Zum einen dürften es viele vermeintliche Hinweisgeber wohl nur auf das Geld abgesehen haben. Herauszufinden, ob ihre Aussagen der Wahrheit entsprechen und belastbar sind, werde extrem schwierig. Zum anderen sei es denkbar, dass die Konfliktparteien mit falschen Zeugen versuchen könnten, die Ermittlungen zu ihren Gunsten zu beeinflussen, sagt Richter.

Außerdem würden die wenigen Menschen, die wirklich die genauen Umstände kennen, wohl lieber schweigen als ihr Wissen preiszugeben. "Wer etwas weiß und etwas sagt, der riskiert sein Leben", sagt Richter.

Auch Ermittlungen vor Ort werden wohl wenig hilfreich sein. Selbst wenn sich nachweisen lässt, dass eine Buk-Rakete oder eine andere Waffe MH17 vom Himmel geholt hat, so bleibt die Frage nach der Identität des Schützen weiterhin offen. Richter weist darauf hin, dass sowohl die Ukraine als auch Russland das Buk-Raketensystem nutzen und auch die Separatisten das System offenbar besitzen. Die Tatwaffe zu kennen, würde also nichts über den Täter aussagen.

Wer also ist an solchen Ermittlungen interessiert, die keine wirkliche Chance haben, die Wahrheit ans Tageslicht zu bringen? Wifka-Mann Resch sagt, dass er selbst nicht wisse, wer seine Auftraggeber seien. Und so bleiben nur Mutmaßungen. Ist es eine der Konfliktparteien? Sind es russische Oligarchen, die unter den Sanktionen leiden und eine schnelle Aufklärung wollen?

Niederländische Ermittler überrascht

Festzustehen scheint nur: Das Vorgehen der deutschen Detektei hat die offiziellen Ermittler offenbar überrascht. Auf Anfrage von ZEIT ONLINE teilte das holländische Justizministerium lediglich mit, dass man gerade erst durch Presseanfragen von dem Auftrag an Wifka erfahren habe. Ob die deutschen Privatdetektive vielleicht sogar die Arbeit der etwa 100 holländischen Ermittler behindern könnten, könne bisher nicht beurteilt werden. 

Richter sieht diese Gefahr durchaus gegeben: "Es könnte passieren, dass die privaten Ermittler durch ungeschicktes Vorgehen Spuren am Absturzort verwischen. Oder Zeugen legen sich wegen des Geldes auf fragwürdige Aussagen fest und erzählen darum auch den holländischen Ermittlern etwas Falsches."

Die jüngste Wendung erweitert den Fall MH17 also um eine mindestens bizarre, wenn nicht gefährliche Perspektive.