"Romeo November Delta, Malaysian One Seven", funkte die Crew des Fluges MH17 am 17. Juli an die ukrainische Flugsicherung um 13.19 Uhr und 56 Sekunden. Damit bestätigte die Besatzung noch kurz ihren Kurs. Dann war plötzlich Stille. Mehrmals versuchten die Ukrainer, eine Antwort zu bekommen. Vergeblich.

Inzwischen ist längst klar, wieso der Funkkontakt abbrach. Wenig später schlugen nur Trümmer von Malaysia Airlines Flug MH17 auf den Feldern rund um den ukrainischen Ort Hrabove auf. Keiner der 283 Passagiere und 15 Crew-Mitglieder überlebte. Alles, was der Zwischenbericht des niederländischen Sicherheitsrats OVV zeigt, spricht dabei klar für einen Abschuss des Flugzeugs. Und gleichzeitig bleibt eine große Frage ungeklärt: Wer hat MH 17 abgeschossen? Waren es russische Separatisten, ukrainische Militärs oder gar russisches Militär, das von der Grenze aus feuerte?

Der OVV-Bericht hat diese Frage nicht beantwortet. Er darf es nicht und er kann es wohl auch nicht. Laut Regelungen der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO, die zu den Vereinten Nationen gehört, sollen Untersuchungen nach Flugzeugabstürzen lediglich die Ursachen klären. Schuldzuweisungen werden kategorisch ausgeschlossen. "Solche Berichte sind immer nur eine Aneinanderreihung von technischen Fakten", sagt Germout Freitag, Pressesprecher des Bundesamtes für Flugunfalluntersuchung.

Keine Manipulation an der Blackbox

Zudem fehlen dem rund 25-köpfigen Expertenteam wohl auch die Möglichkeiten, solche Schlüsse zu ziehen. Bis heute durften die Experten aus Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien, Malaysia, Amerika und der Ukraine den Absturzort nicht ungehindert betreten. Ihre Erkenntnisse stützten sie auf Fotos, Radardaten und den Funkverkehr. Die Blackbox, die aus dem Stimmenrekorder und dem Flugdatenschreiber besteht, haben malaysische Experten nicht vor Ort gefunden. Sie bekamen ihn von Separatisten überreicht. Diese Schwierigkeiten führten auch dazu, dass der Bericht erst mit dreiwöchiger Verspätung erscheinen konnte.

Doch so vieles auch unklar bleibt, der Bericht des OVV weist zumindest viele der Verschwörungstheorien in die Schranken. So konnten beim Abgleich der Blackbox-Daten mit den Daten der ukrainischen Flugsicherung keine Unterschiede festgestellt werden. Die russischen Separatisten haben also die Blackbox nicht manipuliert, wie befürchtet wurde.

Auch bei der Aufzeichnung der Gespräche im Cockpit waren keinerlei Warntöne oder dergleichen zu hören. Dass also menschliches Versagen oder ein Maschinenproblem für den Absturz als Ursache infrage kommen, kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden.

Ein mit kleinen Einschusslöchern übersäter Teil des Flugzeugwracks ©OVV

Selbst die These, dass wichtige Daten und Erkenntnisse aufgrund der politischen Lage von der niederländischen Untersuchungsbehörde wohl nicht veröffentlicht werden, scheint vorerst widerlegt. Die Auszüge aus dem Funkprotokoll und die Flugdaten sehen vollständig aus. "Der Bericht enthält die Standardinformationen, ich sehe keine Auffälligkeiten", sagt Eike Stumpf vom Institut für Luft- und Raumfahrt der RWTH Aachen. Zudem sprechen die Ermittler Klartext bei der Bewertung der Löcher in der Außenhaut der Boeing 777. Die Maschine wurde von vielen, kleinen und schnellen Objekten durchlöchert. Ein Muster, das zu einer explodierenden BUK-Rakete, aber auch zu anderen Raketensystemen passen würde. Derartige Geschosse funktionieren gewissermaßen wie Schrotmunition. Kurz vor dem Einschlag explodiert die Rakete und viele kleine Schrapnelle schießen so auf das Ziel.

Wer aber nun auf MH 17 geschossen hat, das müssen wohl andere klären. In den Niederlanden, die 193 der Opfer zu beklagen haben, ist der Fall MH17 längst eine Angelegenheit auf höchster politischer Ebene. Zehn Mitarbeiter des Justizministeriums und rund 200 weitere Ermittler sind mit der Klärung des Falles beauftragt.

Zudem haben verschiedene Medien wie die BBC deutliche Hinweise darauf gefunden, dass russische Separatisten in dem Gebiet des Absturzes mit Flugabwehrraketen unterwegs waren. Ob jedoch diese Männer auch MH17 abschossen, das belegen auch diese Berichte nicht. Für letzte Klarheit könnte wohl nur eine Handvoll Menschen sorgen. Genau diejenigen, die MH17 vom Himmel holten.