Bedeutend im Film "Interstellar": Das supermassereiche, rotierende Schwarze Loch "Gargantua" mit der 100-millionenfachen Masse der Sonne. © 2014 Warner Bros. Entertainment, Inc. and Paramount Pictures Corporation

Seit knapp zwei Wochen läuft nun der neue Science-Fiction-Film Interstellar von Christopher Nolan in den Kinos – und immer noch wird online eifrig über ihn gestritten. Der Grund: Für das Weltraum-Epos um die Rettung der Menschheit hat die Film-Crew für entscheidende Wendungen des Plots die Gesetze der Physik zur Hand genommen – und das mit einem seltenen Anspruch an Realismus.

Dass Nolan mit Kip Thorne, ehemals Professor am renommierten California Institute of Technology, eine Legende der theoretischen Physik als Berater eingebunden hat, wurde im Zuge der Bewerbung des Hollywood-Streifens medial wirksam verbreitet. Thorne war frühzeitig bei der Entwicklung des Drehbuchs und bis zur endgültigen Produktion des Films als wissenschaftlicher Begleiter dabei. Er hat versucht, die Kniffe der Handlung um Wurmlöcher, Schwarze Löcher und Zeitreisen so weit wie möglich theoretisch abzusichern. Klar, dass bei solch einem Aufgebot an harter Wissenschaft die Kritiker im Netz einen besonders strengen Blick auf das Ergebnis richten.

Die Rahmenhandlung von Interstellar ist schnell erzählt: Die Welt steht am Abgrund. Eine Getreideseuche hat lediglich den Mais verschont, der zwar noch überall auf den Feldern wächst, aber ebenfalls bald zu verrotten droht. Gut, dass eine Rumpftruppe die eigentlich vor Jahren aufgelöste Nasa am Leben hält, um einen Plan zur Rettung unserer Zivilisation zu schmieden.

Matthew McConaughey spielt einen Ingenieur und "den besten Piloten, den die Nasa je hatte". Mittlerweile ist er Landwirt, Ingenieure braucht die verhungernde Zivilisation der Zukunft nicht mehr. Er wird ausgewählt, seine Farm und seine Familie auf der dahinsiechenden Erde zurückzulassen und sich im Weltraum nach einer neuen Bleibe für die Menschen umzuschauen. Dazu muss er ein Team von Forschern in einem Raumschiff durch ein Wurmloch steuern, um auf der anderen Seite einige vielversprechende Planeten auszukundschaften, die aber in der Nähe eines Schwarzen Lochs beheimatet sind.

Doch wie realistisch ist die Wissenschaft in Interstellar denn nun dargestellt? 

Einige Zutaten des Blockbusters haben den Kommentatoren im Netz gar nicht geschmeckt. Während die Reise durch das Wurmloch – ein Tunnel durch die Raumzeit, der Sprünge ans andere Ende des Universums erlaubt – noch allgemein positiv aufgenommen und sogar für die realistische Darstellung gelobt wurde, sehen spätestens danach die Kritiker große Probleme. Als einer der ersten äußerte der Astronom und Blogger Phil Plait seinen Unmut:

Auf Slate führte er aus, was ihm genau missfallen hat. (Und ab jetzt lassen sich Spoiler leider kaum mehr vermeiden.) Da wäre die Szene auf dem ersten Planeten, den McConaughey und sein Team besuchen. Er ist mit Wasser gut kniehoch bedeckt, besitzt 130 Prozent der Erdanziehungskraft und tanzt am Rande eines Schwarzen Loches. Plait führt nun an, dass die Gleichungen der Allgemeinen Relativitätstheorie vorschreiben, eine stabile Umlaufbahn um ein Schwarzes Loch müsse mindestens den dreifachen Umfang des Loches besitzen. Der Wasserplanet könne also gar nicht so eng wie dargestellt um den schwarzen Schlund kreisen.

Astrophysiker beschweren sich über Szenen – Achtung Spoileralarm!

Im Guardian beschwert sich der Astrophysiker Roberto Trotta vom Imperial College London, ein Planet in solcher Nähe zu einem Schwarzen Loch müsse durch die Gezeitenkräfte, die dessen Gravitation auslösen, zu Klump zerreißen. Außerdem sei die Röntgenstrahlung, die von der Scheibe aus Staub und Gas um ein Schwarzes Loch ausgeht, so gewaltig, dass sie kein Mensch überleben würde. Die Staubscheibe selbst hätte bereits eine derart hohe Temperatur, dass alles in seiner Umgebung verdampfen müsste. "Interstellar hatte einen Anstrich von Wissenschaft, aber im Kern war der Film dann nicht so stimmig, wie er das von sich selbst annahm", sagt Trotta.

Doch die beiden haben die Rechnung ohne Kip Thorne gemacht. Der alte Herr hat ein Buch geschrieben, in dem er fein säuberlich die Wissenschaft hinter dem Film beleuchtet. Jedem seiner Unterkapitel – vom Getreidesterben bis zu Wurmlöchern – teilt Thorne eine Plausibilität zwischen "wahr" über "wohlbegründete Vermutung" hin zu "spekulativ" zu. "Ein Großteil der Wissenschaft im Film erschließt sich nicht ohne Weiteres, wenn man das Buch nicht gelesen hat", gibt der Physiker gegenüber der Website Inside Science zu bedenken.