Zwei Tage nach der abenteuerlichen Landung auf dem Kometen Tschuri sind die Arbeitstage für das Minilabor Philae gezählt. "Es wäre unerwartet, wenn Samstag noch genügend Energie da ist", sagte Flugdirektor Andrea Accomazzo im Kontrollzentrum der Europäischen Weltraumagentur Esa in Darmstadt. Laut Philae-Projektleiter Stephan Ulamec stelle sich das Team zwar noch auf Arbeit ein, "aber der Samstag ist unrealistisch".

Laut dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln wird Philae erst einmal in Schlaf versetzt. Möglicherweise könne das Labor Energie tanken, wenn es auf Tschuri Richtung Sonne geht und sich dann die Strom-Kollektoren wieder aufladen können.  

Die Batterie des Robotergerätes ist auf etwa zweieinhalb Tage ausgelegt. Philae befindet sich auf dem Kometen in einer eher schattigen Position.

Das kühlschrankgroße Minilabor Philae war am Mittwochnachmittag auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko, kurz Tschuri, gelandet, rund 510 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Die Batterie war für eine Energielieferung von etwa 60 Stunden programmiert, danach sollten Solarbatterien einspringen.

Philae landete aber entgegen den Planungen in einer Schrägstellung, womöglich an einem Kraterrand oder in einer Felsspalte. Der Roboter bekommt deshalb nicht wie geplant sechs oder sieben Stunden Sonnenlicht am Tag ab, sondern nur eineinhalb. Philae könnte deswegen in der Nacht auf Samstag die Energie ausgehen.

Ein weiteres Problem: Eine der Stützen des Minilabors hängt in der Luft. Und weil zwei Harpunen nicht funktionierten, mit denen der Roboter im Kometenboden verankert werden sollte, steht er relativ instabil.

Dichte und Temperatur der Kometenoberfläche erkunden

Trotzdem ließ die ESA Philae eine Bohrung vornehmen, einen der geplanten Versuche, um mehr über den Kometen herauszufinden. Es bleibe aber bisher unklar, ob die Daten die Erde erreichen. "Wir sind nicht sicher, ob Philae ausreichend Energie hat, um die Daten zu übertragen", sagte Landemanager Stephan Ulamec im Kontrollzentrum in Darmstadt.

Projektleiter Philippe Gaudon von der französischen Raumfahrtbehörde CNES hatte zuvor gesagt, die Versuche ohne die Bohrung würden "70 bis 80 Prozent der erwarteten wissenschaftlichen Daten für die erste Lebensphase" des Roboters ergeben. Vor der Bohrung hatte Philae unter anderem mithilfe von Sensoren Dichte und Temperatur der Kometenoberfläche untersucht und mit einem sogenannten Spektrometer deren Zusammensetzung geprüft.

Die Landung von Philae auf Tschuri – die erste Landung eines vom Menschen geschaffenen Geräts auf einem Kometen in der Geschichte der Raumfahrt – war als historischer Erfolg gefeiert worden. Die Esa-Wissenschaftler erhoffen sich von der Kometenmission Rosetta unter anderem neue Erkenntnisse über Zeit, als das Sonnensystem samt unserer Erde entstand.