Briefe von seiner Freundin, wissenschaftliche Publikationen, Tagebucheinträge, Strafzettel oder das Telegramm, durch das er von seiner Nominierung für den Physik-Nobelpreis erfuhr – wer Schriften von und über Albert Einstein im Original lesen möchte, kann das ab sofort tun. Kostenlos.  

Die Princeton-Universität, an der Einstein einst lehrte, hat rund 5.000 Texte und Dokumente online veröffentlicht (Zu finden unter The Collected Papers of Albert Einstein). Die Schriftstücke stammen aus den ersten 44 Lebensjahren des Physikers und enthalten auch dessen Arbeiten zum Photoelektrischen Effekt, für den Einstein 1921/22 der Nobelpreis verliehen wurde.

Die Textsammlung gibt es außerdem in gedruckter Form. In den 18 Monaten nach Veröffentlichung der neusten Bände wird auf der Einstein-Website weiteres Material zur kostenlosen Nutzung bereitgestellt, wie die US-Universität Princeton mit Sitz in New Jersey mitteilte. Das Ziel des Projekts ist, sämtliche Werke rund um den Physiker und Nobelpreisträger der Öffentlichkeit auf einer Open-Access-Plattform zugänglich zu machen.

Dahinter steckten mehr als 25 Jahre Recherche, sagte Diana Kormos-Buchwald, Direktorin des Einstein Paper Project. Die meisten der Texte sind in der Originalsprache, vielfach auf Deutsch, und in englischer Übersetzung verfügbar.

Fernbeziehung, Ärger mit der Polizei, Stress mit den Eltern

Die Schriften zeichnen ein umfassendes Bild von Einsteins Leben, seiner Persönlichkeit, seinen Interessen und seiner Gedankenwelt. Viel Humor muss er gehabt haben, er feierte gern, liebte Musik und geriet immer mal wieder in Konflikt mit Behörden. Wer etwa Einsteins Schulzeugnisse liest, erfährt, dass er zeitweise in Musik – außer in Gesang – besser war als in einigen Naturwissenschaften. Freunden schrieb Einstein als junger Mann, wie sehr er sich um seine Eltern sorgte, die seit Jahren nicht mehr glücklich seien. Herauszulesen ist aber auch, wie oft er sich über deren Ansichten ärgerte.

Während der Ausbildung hatte der junge Physiker ganz bodenständige Probleme. 1901 schrieb er zum Beispiel begeistert an seine künftige Frau Mileva, wie viel er in Bern als Mitarbeiter am Patentamt verdienen würde – er hatte sich dort auf eine Stelle beworben. Sein Studienfreund Jakob Ehrat glaube aber nicht, dass man von dem Gehalt mit einer Frau zusammenleben könnte, heißt es in dem Brief an die Freundin. Man könne ihm ja das Gegenteil beweisen, sobald er die Stelle bekomme.

Ein Jahr nach diesem Briefwechsel heiratete Einstein Mileva – gegen den Willen seiner Eltern. Wie heute bekannt ist, hatte Mileva zu dem Zeitpunkt bereits ein uneheliches Kind von ihrem Freund geboren, das nach der Geburt starb oder zur Adoption freigegeben wurde – die Einsteins verheimlichten dies zeitlebens.

In den Dokumenten geht es aber nicht nur um Privates, seine Familie, seine Frau und Freunde. Viele der Schriftstücke geben generelle Einblicke in das öffentliche Leben in Europa um die Jahrhundertwende. So bekam der junge Physiker im Jahr 1897 etwa einen "Bussenbescheid" des Zentralkontrollbüros Zürich, weil er sich angeblich ohne gültigen Ausweis in der Schweiz aufhielt. Zehn Franken Strafe sollte er zahlen. Im Sommer 1900 verfasste ein Detektiv einen Bericht über Einstein, offenbar im Auftrag der Züricher Polizei.

Ein Ausnahmeforscher im Exil

Albert Einstein, 1879 in Ulm geboren, gilt als einer der bedeutendsten Wissenschaftler aller Zeiten. Seine Arbeiten zu Raum, Zeit und Gravitation veränderten das Weltbild nachhaltig. Die komplette moderne Physik basiert auf seinen Erkenntnissen.  

Einstein lebte als Kind mit seinen jüdischen Eltern in Deutschland und Italien. Zum Studium ging er in die Schweiz, später verbrachte Einstein immer wieder längere Zeit als Forscher in den USA. Nachdem er durch die Verleihung des Nobelpreises im Jahr 1922 als noch recht junger Forscher weltberühmt geworden war, unternahm Einstein zahlreiche Reisen.

Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers entschied er sich, nicht mehr nach Deutschland zurückzukehren. Der Forscher verurteilte die Verbrechen der Nationalsozialisten öffentlich und wandte seiner Heimat den Rücken zu. Der Physiker starb 1955 in Princeton im Alter von 76 Jahren.