Fracking-Anlage in Williston, North Dakota. © Shannon Stapleton/Reuters

Die Gas- und Ölförderung durch Fracking kann nach Forscherangaben bei bestimmten Bodenstrukturen zu relativ starken Erdbeben führen (Skoumal et al., 2015). In den USA hatte ein Team die Ursachen für mehrere Erdbeben im März 2014 in Poland im Bundesstaat Ohio untersucht. Der Grund der ungewöhnlichen Beben sei Fracking gewesen, berichten die Wissenschaftler im Bericht der Seismologischen Gesellschaft Amerikas (BSSA).

Im März vergangenen Jahres gab es in Poland fünf Erdbeben im Umkreis von einem Kilometer von Erdöl- und Gasbohrungen. Das heftigste Beben hatte die Stärke drei auf der Richterskala. Ein solches Beben kann von Menschen wahrgenommen werden, verursacht normalerweise jedoch keine Schäden. Es war eines der stärksten Beben, das in den USA jemals mit der umstrittenen Energiegewinnungsmethode in Zusammenhang gebracht wurde. 

"Die Erdbeben in der Gemeinde Poland traten in einer sehr alten, präkambrischen Gesteinsschicht auf, in der vermutlich schon zahlreiche seismische Verwerfungen vorhanden waren", erklärt Mitautor Robert Skoumal von der Miami University in Oxford, Ohio. "Diese Bohrlochaktivität hat keine neue Verwerfung verursacht, sondern eine bislang unbekannte, alte Verwerfung aktiviert." Es sei daher sinnvoll, dass Regierung, Industrie und Wissenschaft beim Fracking in Gegenden mit möglichen unbekannten Verwerfungen in Zukunft eng zusammenarbeiten.   

Beim Fracking wird Flüssigkeit unter hohem Druck in ein Bohrloch gepresst. Dabei brechen kleine Risse im Gestein auf und das darin enthaltene Erdgas und Erdöl kann gewonnen werden. Dadurch ausgelöste mikroseismische Aktivitäten –  sehr kleine Erdbeben – sind üblicherweise so schwach, dass sie nur mit empfindlichen Geräten gemessen werden können. Die Beben in Ohio waren allerdings deutlich stärker.  

Im vergangenen Juli hatte eine andere Studie bereits auf den Zusammenhang zwischen Fracking und Erdbeben im US-Bundesstaat Oklahoma hingewiesen. Einen endgültigen Beweis, dass die Erdbeben durch das Fracking verursacht wurden, konnten die Forscher jedoch nicht erbringen. 

Fracking in Deutschland umstritten

Umweltschützer befürchten außerdem schon seit Langem, dass aufgrund von Fracking und ähnlichen Verfahren giftige Chemikalien und Methan in Trinkwasserreservoirs gelangen können. Deshalb ist Fracking in Deutschland umstritten. Auch hierzulande gibt es nennenswerte Vorkommen sogenannter unkonventioneller Erdgas-Lagerstätten. Diese könnten durch Fracking erschlossen werden. 

Die Bundesregierung hat im November vergangenen Jahres nach harten Verhandlungen einen Gesetzentwurf zum Fracking in Deutschland vorgelegt. Der Entwurf sieht vor, Fracking in sensiblen Gebieten zur Trinkwassergewinnung und des Naturschutzes zu verbieten. Außerdem darf nicht in Tiefen von weniger als 3.000 Metern gebohrt werden. Allerdings gibt es zahlreiche Ausnahmen zu dieser Tiefenregelung, sodass der Gesetzentwurf von vielen Seiten als zu industriefreundlich bewertet wird. Das Kabinett wird wahrscheinlich Anfang 2015 entscheiden, dann der Bundestag. Vor der zweiten Jahreshälfte 2015 wird das Gesetz voraussichtlich nicht in Kraft treten.