Haben Sie schon mal etwas verloren und es dann elf Jahre später wiedergefunden? Der Europäischen Weltraumorganisation Esa ist nun genau das gelungen. Sie haben ihren Lander Beagle-2 aufgespürt, von dem seit Ende 2003 jedes Lebenszeichen fehlte. Und zwar genau dort, wo er sein soll: auf dem Mars.

Die Beagle-2-Mission war ein ehrgeiziges europäisches Projekt. Unter enormem Zeitdruck und mit einem Budget von 40 bis 70 Millionen Euro sollte ein Lander, ein Mini-Labor, zum Roten Planeten geschafft werden. Der Roboter war von britischen Wissenschaftlern in Zusammenarbeit mit dem europäischen Raumfahrtunternehmen EADS Astrium konstruiert worden. Sein Ziel: Leben auf dem Mars finden.

So hatte die Esa dann auch versucht, mit der Landung von Beagle-2 am Weihnachtstag der Nasa die Show zu stehlen. Vergebens. Statt eine erfolgreiche Landung zu feiern, sah man sich in der Kommandozentrale plötzlich vielmehr mit dem Problem konfrontiert, dass das kosmische Expeditionsschiff nach seiner Trennung von der Muttersonde Mars Express am 26. Dezember kein Lebenszeichen mehr von sich gab.

Monate später schließlich erklärten die Weltraumforscher den Lander offiziell für verloren. Die Antworten auf einige Fragen fehlten ihnen trotzdem: War der Roboter möglicherweise zu schnell unterwegs gewesen und auf der Oberfläche des Planeten zerschellt? War er schon zuvor auseinandergebrochen? War ihm die Landung gelungen, ihm aber wegen eines technischen Defekts der Kontakt zu Erde nicht mehr möglich gewesen? 

Nun endlich ist das Rätsel um das Schicksal von Beagle-2 gelöst. Mithilfe von Satellitenaufnahmen der Nasa-Sonde Mars Reconnaissance Orbiter wurde Europas erster Mars-Lander entdeckt, wie die Esa mitteile. Auf den hochauflösenden Fotos sind laut der Forscher Teile des Landers, womöglich sogar des Fallschirms sichtbar.

Demnach hätten der Anflug und die Landesequenz funktioniert und Beagle-2 wie geplant am ersten Weihnachtstag auf der Oberfläche aufgesetzt. Zumindest sei nun klar, dass die Mission kein "völliger Fehlschlag" gewesen sei, wie zuvor angenommen, sagte Esa-Chef Jean-Jacques Dordain in Paris: "Wenigstens gab es eine Landung auf dem Mars."

Während so mancher sein Land auf Twitter dafür feiert ("Dass #Beagle2 auf dem #Mars ist macht Großbritannien zum ersten europäischen Land, dem eine kontrollierte Landung auf einem anderen Planeten gelungen ist!) ...

...neigen andere eher zu Häme ("#Beagle2 hat etwas wahrlich britisches – es hat es zur Arbeit geschafft, als es dort war, dann aber einfach nichts gemacht")

Der ehemalige Projektleiter Mark Sims von der Universität Leicester immerhin dürfte erleichtert sein. Das große Scheitern ist nunmehr doch bloß ein kleines. Der Lander sehe sogar ziemlich heil aus, wie er betont. Und legt einen drauf: Es könne sogar sein, dass der Roboter selbst nach Jahren der Einsamkeit noch funktioniere. Dafür müssten sich nur genügend Solarkollektoren nach der Landung geöffnet haben.

Die Hoffnung sei ihm gegönnt. Doch selbst wenn Sims recht hat: Die Experten sehen keine Möglichkeit, die von Beagle-2 gespeicherten Daten zu bergen. Vielleicht gelingt es ja 2026. Dann schließlich sollen schon die ersten Menschen den Roten Planeten besiedeln – und dem Lander einen Besuch abstatten.