In Großbritannien hat eine umstrittene, neue medizinische Methode seit heute gute Aussichten auf Erfolg: Das Parlament in London sprach sich mit einer Mehrheit von 254 Stimmen dafür aus, dass bei einer künstlichen Befruchtung das Erbgut von drei Menschen verwendet werden darf. Allerdings nur, wenn sich das Kind dadurch vor einer schweren Erbkrankheit schützen lässt. Die Entscheidung betrifft zunächst nur äußerst wenige Paare, Kritiker jedoch fürchten schon jetzt eine breitere Anwendung in der Zukunft.

Rund 125 Babys werden jedes Jahr in Großbritannien mit einer Mitochondriopathie, einer Fehlfunktion der Mitochondrien, geboren. Diese wird von der Mutter vererbt. Die Mitochondrien sind winzige Organismen in den Zellen, die Glukose in Energiemoleküle verwandeln. Bei einer Fehlfunktion verfügt der Organismus nicht über ausreichend Energie, was zu schweren degenerativen Krankheiten wie Diabetes oder Muskelschwäche führen kann.

Entwickelt hat die Technik ein Team an der Universität von Newcastle. Dabei wird die Übertragung der Mitochondriopathie von der Mutter auf das Kind blockiert, indem aus der Eizelle die defekte Mitochondrie entfernt und durch eine Mitochondrie einer anderen Frau ersetzt wird. Die andere Frau bleibt dabei anonym. Die so veränderte Eizelle wird anschließend im Labor mit dem Sperma des Vaters befruchtet und dann in die Gebärmutter der Mutter eingesetzt.

Ein "erster Hoffnungsschimmer" für betroffene Familien

Das so entstehende Kind wird die Charakteristika seiner Mutter und seines Vaters aufweisen, weil der von der fremden Frau stammende Anteil an den Erbanlagen nur gering ist: Die DNA einer Mitochondrie macht nur ein Prozent der gesamten DNA in einer menschlichen Zelle aus. Die Veränderung des Erbgutes wird aber von Generation zu Generation weitergegeben.

Die britische Regierung war für die Genehmigung dieser Methode, daher war mit einer Zustimmung einer Mehrheit der Abgeordneten im Unterhaus gerechnet worden. Die für den 23. Februar geplante Abstimmung im Oberhaus gilt dann als reine Formsache.

Die Befürworter der Methode sehen darin einen riesigen medizinischen Fortschritt. In einem offenen Brief an die britischen Abgeordneten schrieb eine Gruppe von Vereinen, die Technik sei für betroffene Familien "der erste Hoffnungsschimmer, um ein Baby zu bekommen, das ohne Schmerzen und Leiden leben kann". Lord Robert Wilson, einer der Pioniere der In-Vitro-Fertilisation – der Zeugung von Kindern im Reagenzglas – verglich die Methode mit einer einfachen Blutabnahme.

Die Gegner befürchten dagegen, dass die Methode künftig Designer-Babys ermöglicht. "Wenn einmal diese ethische Grenze überschritten wird, wenn einmal festgelegt wird, dass es erlaubt ist, das menschliche Erbgut zu verändern, wird es schwierig, nicht die nächsten Schritte zu gehen und zu einer Welt zu kommen, in der Babys nach Maß produziert werden", warnte David King vom Verein Human Genetics Alert. Dies sei "ein Szenario, das alle vermeiden wollen".