Nocebo, das/die -s

aus nocere (lat. schaden) und placebo (lat., ich werde gefallen)

Bevor jetzt alle Träger eines Latinums einwenden, "das ist doch einfach ein konjugiertes Verb", sei gesagt: Es ist auch ein konjugiertes Verb. Der lateinische Infinitiv nocere lautet in der ersten Person Singular Futur nocebo und das heißt "ich werde schaden". Aber wer beherrscht heutzutage schon noch Latein?

Und tatsächlich ist der Nocebo-Effekt aus der Medizin ja in Anlehnung an ein deutlich bekannteres Wort geprägt worden, nämlich Placebo. Mit Placebo-Effekt bezeichnen Wissenschaftler eine paradoxe Beobachtung: Auch wenn man Patienten anstelle von Medikamenten wirkstofffreie Attrappen von Tabletten oder Spritzen verabreicht, bessert sich ihr Befinden.

Kraft der Einbildung? Wunschdenken plus Selbstheilung? Ein Beleg gar dafür, wie wichtig soziale Situationen und Zuwendungen im Verhältnis zu schierer Pharmazie sind? All diese Gedanken wurden mit dem Wort Placebo (lat. "ich werde gefallen") über die ärztliche Zunft hinaus popularisiert. In den vergangenen Jahren erwachte dann das Interesse der Forscher an der schädlichen Kehrseite – von Nebenwirkungen also. Denn die lassen sich nach der Einnahme von Scheinpräparaten ebenso beobachten. Schmerzen und Komplikationen aus dem Nichts? Ein gefährlicher Non-Effekt. Der gefällt natürlich niemandem.

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Klonschaf, Genomanalyse und Suchmaschine – noch vor ein, zwei Jahrzehnten hätte kaum ein Zeitgenosse damit etwas anzufangen gewusst, mittlerweile dürften praktisch jedem diese Vokabeln geläufig sein. Die Neuzugänge in unserem Vokabular zeigen, wie sich unsere Welt verändert hat. Aber welche Spuren werden just in diesem Moment hinterlassen? Stefan Schmitt sucht in der Kolumne "Worte von morgen" diese Vokabeln. Im Buch "Von der Digitaldemenz zum Infoveganer" stecken 99 weitere Worte von morgen. Folgen Sie @wortevonmorgen auch auf Twitter.