Update: Wie das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung mitgeteilt hat, ging um 14:36 Uhr das entscheidende Signal in der Bodenstation ein: Die  Raumsonde Dawn wurde vom Schwerefeld des Zwergplaneten Ceres eingefangen – und ist damit das erste Raumschiff in der Geschichte, das nacheinander in eine Umlaufbahn um zwei verschiedene planetare Körper eingetreten ist.

"Du kannst uns nicht täuschen, Ceres! Du hast Geheimnisse!", schrieb Ende Februar das Wissenschaftsmagazin Popular Science. Und in der Tat: Der eisige Kleinplanet im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter ist eine rätselhafte Erscheinung. Seit die Nasa-Raumsonde Dawn Mitte Februar die bisher detailliertesten Fotos des Himmelskörpers zur Erde schickte, mehren sich die Spekulationen. 

"Mich erreichen gelegentlich E-Mails von Leuten, die glauben, dass Aliens von Ceres Besitz ergriffen haben", sagt Wissenschaftler Andreas Nathues, der mit seinem Team für die Kamera der Raumsonde Dawn verantwortlich ist. Popular Science wiederum ist – wie viele andere – davon überzeugt: Ceres ist nichts Geringeres als der Todesstern aus den Star-Wars-Filmen von George Lucas, die verheerendste Waffe des galaktischen Imperiums. Und sie sei aktiv, die Laserkanonen angeworfen.

Grund für die Annahme sind zwei helle Flecken, deren Herkunft sich bislang nicht erklären lässt. Mit Dawns Einschwenken in die Umlaufbahn am Freitag sollen nun endlich Fakten geschaffen und damit zur Klärung der wesentlichen Frage beigetragen werden: Wie entstand das Sonnensystem? Es ist eine Reise zurück zum Anfang, zum "Morgengrauen", wovon sich der Name der Mission ableitet.

Auf spiralförmiger Bahn hat die Sonde in den vergangenen Jahren mehr als fünf Milliarden Kilometer zurückgelegt, im Vorbeiflug beim Mars Schwung geholt und auf dem Weg für ein Jahr noch rasch den Kleinplaneten Vesta erkundet. Nach fast achtjähriger Reise trifft sie nun auf den mysteriösen Himmelskörper – schon wieder.  

Denn strenggenommen war Ceres längst in greifbarer Nähe. Nur musste die Sonde aufgrund technischer Probleme zunächst am Objekt der Begierde vorbeifliegen und die ursprüngliche Route verlassen. Auf anderem Weg soll es nun klappen. Bereits seit Wochen läuft ein kompliziertes Bremsmanöver. Gegen 13:20Uhr mitteleuropäischer Zeit soll Ceres Schwerkraft die Sonde nun einfangen, im April würde sie dann auf einen Orbit um den Kleinplaneten einschwenken und mit der Observierung loslegen.

Ist ein Eisvulkan Quelle der hellen Flecken?

Die zentrale Frage aus aktuellem Anlass: Was verbirgt sich hinter den Flecken, die derzeit für so viel Aufregung sorgen? Nathues ist sicher: "Es wird etwas sein, was wir erklären werden können, sobald uns hochaufgelöste Daten vorliegen." Gefrorenes Wasser oder Salzablagerungen etwa. Sie könnten auch für den Wasserdampf verantwortlich sein, den das Weltraumteleskop Herschel in der Nähe von Ceres feststellte. Warum die Flecken nur an einer einzelnen Stelle auftauchen, ist ein weiteres Rätsel. Eine Theorie: Ein Eisvulkan hat das Material aus dem Inneren von Ceres geschleudert.

Derlei Strukturen haben Weltraumforscher zwar auf dem Saturnmond Enceladus gefunden, dennoch hält Nathues einen Vulkan für unwahrscheinlich. Monde wie Enceladus werden von der Anziehungskraft der großen, benachbarten Himmelskörper gewissermaßen durchgeknetet. Das ständige Umkreisen erzeugt Wärme und schmilzt Material im Inneren des Mondes auf, das dann durch Vulkane ausgespuckt wird. Auf Ceres aber wirken keine solchen Kräfte. Daher vermutet Nathues, dass die hellen Flecken eher von einem vergleichsweise jungen Einschlag eines Himmelskörpers stammen.

Wann Ceres sein Geheimnis preisgeben muss, ist für Andreas Nathues nur eine Frage der Zeit: "Ich hoffe, dass wir Anfang Mai mehr sagen können. Dann haben wir die ersten Orbits geflogen und immerhin eine Auflösung von einem Kilometer pro Pixel." Bisher reichte die Auflösung der Bilder nicht aus, um die genaue Gestalt der Flecken zu erkennen. Zum Vergleich: Würde man mit der bisherigen Auflösung auf die Stadt Berlin schauen, so wäre sie lediglichg ein verschwommener grauer Fleck in der grünen brandenburgischen Landschaft. Ab Mai wären dann große Strukturen wie das Tempelhofer Feld oder der Tiergarten zu erkennen.