Am kommenden Sonntag ist es ein Jahr her, dass Flug MH370 der Malaysia Airlines mit 239 Menschen an Bord spurlos verschwand. Nach wie vor gibt es kaum Hinweise darauf, was geschehen sein könnte – nur verschiedene Theorien. Ob der Zwischenbericht der malaysischen Behörde für Zivilluftfahrt, der am Samstag veröffentlicht wird, etwas substanziell Neues enthält, ist unklar. Es gehe vor allem um technische Details, hieß es im Transportministerium.      

Wie ist der Stand der Suche?

Derzeit durchsuchen vier Schiffe mithilfe eines ausgefeilten Echolot-Systems den Meeresboden im südlichen Indischen Ozean. Rund 40 Prozent eines 60.000 Quadratkilometer großen Gebiets wurden bereits durchkämmt, gefunden wurden bisher nur ein paar Schiffscontainer. Bis Mai soll die Suche abgeschlossen werden, was danach passiert, ist unklar. Die Winterstürme der südlichen Hemisphäre dürften in jedem Fall weitere Suchaktionen über Monate beeinträchtigen.

Was geschieht, wenn das Wrack gefunden wird?

Die Experten stünden dann vor der Herausforderung, wenn nicht das Wrack, so zumindest aber die Flugschreiber in 4.000 Metern Tiefe und in völliger Dunkelheit zu finden und zu bergen. Immerhin können sie dabei auf die Erfahrungen bei der Suche nach den Blackboxes von Air-France-Flug AF447 zurückgreifen: Diese waren zwei Jahre nach dem Absturz im Juni 2009 von einem Tauchroboter aus dem Atlantik geborgen worden.

Wird tatsächlich das richtige Gebiet abgesucht?

Ja, sagen die Koordinatoren der Suche: Experten berechneten den möglichen Absturzort mithilfe von Signalen, die ein Satellit von der Maschine empfing – sogenannte Handshakes. Sie kamen auf zwei mögliche Routen, entschieden sich aber für die in Richtung des Indischen Ozeans. Im anderen Fall wäre die Maschine über asiatisches Festland geflogen und nicht unbemerkt geblieben.

Welche Thesen gibt es zu den Gründen für das Verschwinden von Flug MH370?

Spekuliert wird vor allem über technische Probleme oder Konstruktionsfehler, über einen Terroranschlag, eine Entführung oder eine spektakuläre Selbstmordaktion des Piloten – doch Belege gibt es für keine der Thesen. Wie immer gibt es zudem einige Verschwörungstheorien: Mal soll der US-Geheimdienst CIA die Maschine ferngesteuert haben, mal soll der russische Präsident eine Umleitung nach Kasachstan angeordnet haben.

Erfahrene Unfallermittler halten den Piloten als Täter für die wahrscheinlichste Variante. In einer Dokumentation des Senders National Geographic entwerfen sie dieses Szenario: Der Pilot dirigiert den Kopiloten unter einem Vorwand aus dem Cockpit, nimmt eine Sauerstoffmaske, löst in der Kabine einen Druckabfall aus, der alle ins Koma versetzt und fliegt Richtung Süden, bis die Maschine mit leeren Tanks abstürzt. Unklar ist jedoch, warum jemand auf einer Suizid-Mission die Maschine so lange fliegen lassen würde.

Sind alle Informationen der Behörden bekannt?

Malaysias Regierung und Malaysia Airlines beteuern, dass sie keine Informationen zurückhalten. Angehörige der vermissten Insassen glauben ihnen aber nicht: Sie verweisen auf widersprüchliche Erklärungen von Behörden und Fluglinie und werfen beiden Seiten vor, Fakten nur mit Verzögerung oder nur zum Teil zu veröffentlichen. Auch der Chef von Emirates Airways, Tim Clark, hatte im vergangenen Jahr Zweifel geäußert, ob alle Informationen auf dem Tisch sind.

Gibt es vergleichbare Fälle?

Die Website Aviation Safety Network listet nur einen weiteren Fall auf: 1962 verschwand demnach eine vom US-Militär gecharterte Turboprop der US-Gesellschaft Flying Tiger Line mit 107 Insassen auf dem Weg von Guam zu den Philippinen. Ihr Schicksal ist bis heute ungeklärt.

Was sind die Lehren aus dem Verschwinden von Flug MH370?

Ohne Flugschreiber wird die Flugzeugindustrie niemals wissen, was genau falsch lief. Dafür treibt das Schicksal von MH370 die Bemühungen an, dass künftig keine Maschinen mehr spurlos verschwinden können. Eine Luftfahrtsicherheitskonferenz in Montreal unterstützte im vergangenen Monat unter anderem Forderungen, dass Flugzeuge bereits ab dem kommenden Jahr so ausgestattet sein sollen, dass sie im Notfall minütlich ein Signal absetzen.