Autonomobil, das/die -e

aus Autonomie und Automobil

Ist dies die globalmediterrane Umschreibung eines fahruntüchtigen Wagens, eines Auto-no-mobil? Oder gar keines Autos, angesichts des no mitten im Automobil? Mitnichten. Diese neue Vokabel nimmt vielmehr die Autos der Zukunft vorweg. Einer Zukunft, in der wir nicht mehr fahren, sondern uns fahren lassen.

Sie hat bereits begonnen. Längst werden die Elemente künftiger Autopilotencomputer für den Straßenverkehr entwickelt. Sie kommen als Einpark-, Abstand- oder Spurhalteassistenten daher und werden immer selbstverständlicher. So müssen Neuwagen ab 2014 ein automatisches Notfallbremssystem an Bord haben, um die Höchstwertung im Euro-NCAP-Sicherheitstest erreichen zu können. Fügt man all die einzelnen Automatiken zusammen und verbindet sie mit einem Navigationssystem, so fehlt nicht mehr viel bis zu einem elektronischen Chauffeur, dem man nurmehr ein Ziel nennen muss und der sich dann selbstständig einen Weg durch den Straßenverkehr sucht – eben autonom. Was für ein Wagen!

Das Wort Automobil ist Ende des vorletzten Jahrhunderts in Frankreich als Substantivierung der Adjektive autos (griech. selbst) und mobilis (lat. beweglich) entstanden. Während selbstbeweglich damals bedeutete, dass kein Zugtier mehr nötig war, würde es sich bei künftigen Kraftwagen auf den obsolet gewordenen Fahrer beziehen. – Wenn das Fahrzeug also zum Autonomobil wird, dann ist es gleichsam doppelt auto.

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Klonschaf, Genomanalyse und Suchmaschine – noch vor ein, zwei Jahrzehnten hätte kaum ein Zeitgenosse damit etwas anzufangen gewusst, mittlerweile dürften praktisch jedem diese Vokabeln geläufig sein. Die Neuzugänge in unserem Vokabular zeigen, wie sich unsere Welt verändert hat. Aber welche Spuren werden just in diesem Moment hinterlassen? Stefan Schmitt sucht in der Kolumne "Worte von morgen" diese Vokabeln. Im Buch "Von der Digitaldemenz zum Infoveganer" stecken 99 weitere Worte von morgen. Folgen Sie @wortevonmorgen auch auf Twitter.