Der weltgrößte Teilchenbeschleuniger ist nach zweijähriger Aufrüstung wieder in Betrieb. Der unterirdische Large Hadron Collider (LHC) startete am Sonntag am europäischen Atomforschungszentrum Cern in der Westschweiz. Die Ingenieure leiteten zwei Protonenstrahlen in den 27 Kilometer langen ringförmigen Beschleuniger. In den kommenden Tagen sollen sämtliche Systeme überprüft werden, bevor die Energie der Protonenstrahlen erhöht wird.

"Hier herrscht große Freude, es hat hervorragend geklappt", sagte Cern-Generaldirektor Rolf-Dieter Heuer im Kontrollzentrum in Meyrin bei Genf. "Wir sind alle begeistert, wie schnell jetzt nach über zwei Jahren Bauzeit der erste Teilchenstrahl den Beschleunigerring erfolgreich passiert hat." Ein Kurzschluss hatte vor wenigen Tagen noch eine Verschiebung des LHC-Neustarts erzwungen.

Der an der Grenze zu Frankreich liegende unterirdische Teilchenbeschleuniger war im Februar 2013 nach dreijährigem Betrieb heruntergefahren und anschließend modernisiert worden. Nach dem Neustart sollen in dem Teilchenbeschleuniger Protonen mit fast doppelt so hoher Energie kollidieren wie in der ersten LHC-Betriebsphase.

In dem Ringtunnel des LHC lassen die Wissenschaftler Protonen mit nahezu Lichtgeschwindigkeit aufeinanderprallen. Bei diesen Kollisionen hoffen die Forscher auf Spuren neu entstandener Teilchen. Auf diese Weise war vor drei Jahren am LHC das zuvor nur hypothetisch bekannte Higgs-Boson nachgewiesen worden, das anderen Teilchen deren Masse verleiht.

Wissenschaftler erhoffen sich von den Experimenten unter anderem Aufschluss über die Natur der bislang rätselhaften Dunklen Materie. Cern-Chef Rolf-Dieter Heuer sagte: "Das kann schnell gehen, aber es kann auch sehr lange dauern, ich bin da sehr vorsichtig."