Seit Jahrzehnten sind Alkohol und Tabak in Deutschland die Suchtmittel, die bezogen auf die Gesamtbevölkerung die schwersten Folgen haben. Das bestätigt der diesjährige Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung. Jedes Jahr sterben geschätzt 74.000 Menschen an den direkten und indirekten Folgen ihres Alkoholkonsums, 110.000 weitere töten die Leiden, die ihr Rauchverhalten auslöst. Ihnen gegenüber stehen 1.032 Menschen, die 2014 direkt an illegalen Drogen starben. Insgesamt ist die Zahl der Drogentoten laut Bericht im Jahr 2014 im Vergleich zum Vorjahr leicht angestiegen.


Weniger Raucher – aber immer noch großes Risiko

Auch wenn immer weniger, insbesondere junge Menschen in Deutschland rauchen: Tabakkonsum bleibt laut Bundesregierung das "größte vermeidbare Gesundheitsrisiko". Zwar ist der Anteil der Raucher in den vergangenen Jahren leicht gesunken (1999 lag er noch bei 28 Prozent), doch noch immer greift knapp jeder vierte erwachsene Deutsche (24,5 Prozent) regelmäßig zur Zigarette. Bei Kindern und Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren ist die Zahl der Raucher deutlicher zurückgegangen: 9,7 Prozent dieser Gruppe rauchen regelmäßig Zigaretten oder andere Tabakprodukte. Im Jahr 2001 lag ihr Anteil dem Bericht zufolge noch bei 28 Prozent.

Die Drogenbeauftragte Marlene Mortler führt den Rückgang der Raucher unter anderem auf die Aufklärungskampagnen der Bundesregierung zurück. "Unsere größte Aufmerksamkeit gilt den legalen Suchtmitteln Alkohol und Tabak", sagt Mortler. "Es ist eine gute Nachricht, dass der Anteil der rauchenden Kinder und Jugendlichen konstant zurückgeht. Unsere vielfältigen Präventionsmaßnahmen wirken! Es wird immer deutlicher: Rauchen ist out!"

Alkoholmissbrauch bleibt Kernproblem

9,5 Millionen Menschen in Deutschland konsumieren Alkohol in gesundheitlich riskantem Ausmaß, stellen die Autoren des neuen Berichts fest. Im Durchschnitt trinken Deutsche 9,6 Liter reinen Alkohol pro Jahr. Psychische Störungen durch Alkohol, inklusive akutem Alkoholmissbrauch, waren 2013 der zweithäufigste Anlass für einen Klinikaufenthalt. 338.204 Fälle wurden registriert.

Im WHO-Report zu Alkohol und Gesundheit 2014 kamen die Autoren gar zu dem Schluss, Alkohol "sei tödlicher als Aids und Tuberkulose zusammen". 5,9 Prozent aller Todesfälle weltweit seien eine direkte Folge von Alkoholkonsum oder von Gewalttaten und Verkehrsunfällen, die Betrunkene verursachen. Wer regelmäßig übermäßig viel Bier, Wein oder Schnaps trinke, erhöhe nicht nur sein Risiko an Krebs, Leberzirrhose oder einem von rund 200 weiteren Leiden zu erkranken, sondern schade auch der Gesellschaft.

Illegale Drogen weiter auf dem Vormarsch

Die Verbreitung von Crystal Meth nehme zu, heißt es im Drogen- und Suchtbericht 2015. Auch der erstauffällige Konsum von Amphetaminen sei zuletzt wieder angestiegen. Darüber hinaus werde Cannabis viel zu häufig verharmlost, heißt es. Auch die Nachfrage nach Beratung und Behandlung aufgrund von Cannabiskonsum steige.


Global Drug Survey 2015

Anfang Juni erscheinen auf ZEIT ONLINE die Ergebnisse des Global Drug Survey 2015, der weltweit größten anonymen Drogenumfrage im Netz. Im vergangenen Jahr beteiligten sich allein in Deutschland mehr als 22.000 Menschen und beschrieben, was sie rauchen, schnupfen, trinken und einwerfen.