New Horizons - Der Anflug auf Pluto

Objekt anvisieren, anlegen und haarscharf dran vorbeischießen. Dann ist die Mission erfüllt. Wohl nie zuvor freuten sich so viele darauf, etwas knapp zu verpassen wie bei der New-Horizons-Mission der Nasa. Am Dienstagmittag wird die Raumsonde Pluto so nah kommen, wie nie ein menschengemachtes Gerät zuvor – um schließlich mit rund 50.000 Kilometern pro Stunde am Himmelskörper vorbeizurasen.

Da darf man schon ein bisschen aufgeregt sein. Hat ja auch lang genug gedauert der Anflug. Neuneinhalb Jahre hetzte die Blechbüchse durchs All, nun wächst der Winzling Pluto minütlich vor ihrer Linse.

Beim Start der Mission war Pluto noch ein unbefleckt begehrenswertes Ziel, sieben Monate später geriet er aber schon in Verruf. Seither ist er per Definition nicht mehr der neunte Planet des Sonnensystems, sondern nur noch ein transneptunisches Objekt, ein Zwergplanet.

Die Herausforderung jedoch bleibt dieselbe: Fünf Milliarden Kilometer Reise für einige Schnappschüsse und Analysen. Um ein Raumfahrzeug so weit ins All zu steuern und auf korrekter Bahn zu halten, braucht es einiges an Mathematik. Die Missionsleiter sind zuversichtlich, dass sie gut genug gezielt haben, um die Sonde bei ihrer Geschwindigkeit durch ein zirka 95 mal 145 Kilometer kleines Gebiet zu fliegen. "Das ist in etwa so, als würde man von New York nach San Francisco fahren und dann zirka 13 Zentimeter neben dem vor dem Start anvisierten Parkplatz landen", schreibt die New York Times.

Die entscheidende, simple Gleichung für das Manöver laute zwar F = ma, das zweite Newton'sche Gesetz, nach dem F die Summe aller Kräfte ist. Der Erfolg liegt jedoch in den Details. Pünktlich ab 13.51 Uhr soll die Sonde Sonnenuntergang und -aufgang hinter Pluto beobachten.

Und so nehmen nicht nur Medien wie die ehrwürdige Times, sondern auch New-Horizons-Kollegen im Geiste, etwa der Sarcastic Rover, Anteil an der anspruchsvollen Mathematikaufgabe im All:

Andere mögen's weniger zahlenlastig. Wenn sich schon Herzen, Donuts und Wale auf Plutos Oberfläche finden. Warum dann nicht auch sein goldgelber Namensvetter?

Lange gesucht und irgendwie gefunden: Pluto auf Pluto

Tatsächlich ist über die Oberfläche des Zwergplaneten bislang nur wenig bekannt. Schätzungen zufolge herrschen nahe des Äquators um die Minus 220 Grad Celsius – so weit weg von der Sonne ist's halt richtig kalt. Forscher vermuten daher, dass die obere Schicht des Planeten aus Wasser-, Methan- und Ammoniakeis besteht. Doch was ist mit Eisvulkanen und Gebirgen? Gibt es einen Ozean unter der Oberfläche?

Stetig bekommt New Horizons ein besseres Bild der Eiswelt, die sich seit der Entstehung des Sonnensystems vor viereinhalb Milliarden Jahren wahrscheinlich kaum verändert hat. Der Vorbeiflug soll Aufnahmen und Messungen der Stellen ermöglichen, die bislang ungesehen blieben, wie folgende Animation zeigt:

Auf ihrer Reise hat die Sonde zahlreiche Planeten des Sonnensystems links liegen lassen. Mars war im Juli 2006 der erste; es folgten Jupiter (2007), Saturn (2008) und Uranus (2011). Merkur und Venus lagen nicht auf dem Weg.

Für Aufregung sorgte das bislang nur bei Neptun, der nach Aufmerksamkeit und etwas Süßem verlangt.

War wahrscheinlich keine böse Absicht, eher ein Zeichen unterschiedlichster Bedürfnisse. Für Pluto und seinen Mond Charon, der ebenfalls vermessen wird, ist der Fly-by schließlich kein Kaffeekränzchen, sondern ein Grund zum Feiern. 

Ob die Mission tatsächlich erfolgreich war, zeigt sich frühstens in der Nacht zu Mittwoch. Auch weil das Signal aus der Entfernung gut viereinhalb Stunden dauert, bis es auf der Erde eintrifft. Während erste Bilder und Daten in den nächsten Stunden eintreffen – die Übertragung soll erst 2016 vollständig abgeschlossen sein –, wird New Horizons weiter durchs All jagen. Nächstes Ziel: zwei winzige Objekte im Kuipergürtel, einer entlegenen Geröllhalde voll urprünglicher Himmelskörper aus der Zeit, in der unser Sonnensystem entstanden ist.

Ach ja, auf Twitter geht es natürlich weiter. Schauen Sie doch mal hier: #PlutoFlyby, oder hier: #NewHorizons.

Update: Vorbeiflug scheint geglückt, meldet die Nasa. Und hier das aktuell schönste und erste hochaufgelöste Plutobild: