Stephen Hawking beteiligt sich an einer privaten Initiative zur Suche nach Leben im All. Der britische Astrophysiker ist das prominenteste Mitglied des Projekts Breakthrough Listen, das in den kommenden zehn Jahren nach akustischen Signalen außerirdischen Lebens suchen will. Finanziert wird das Projekt vom umstrittenen russischen Milliardär Juri Milner mit mindestens 100 Millionen Dollar.

"Wir glauben, dass sich das Leben auf der Erde spontan entwickelt hat", sagte Hawking bei der Vorstellung des Projekts der Akademie der Wissenschaften der Royal Society in London. In einem unendlichen Universum müsse es deswegen andere Erscheinungsformen von Leben geben.

Es sei an der Zeit, die Frage nach Leben jenseits der Erde zu beantworten. "Irgendwo im Kosmos beobachtet uns vielleicht intelligentes Leben", sagte Hawking. Es gebe keine größere Frage. "Wir sind lebendig, wir sind intelligent, wir müssen es wissen."

Beteiligt an dem Projekt ist unter anderem Frank Drake, ein Pionier der Suche nach außerirdischem Leben mit modernen Mitteln, und Geoff Marcy von der Universität Berkeley, ein führender Planetenforscher. Für Breakthrough Listen soll das All mit zwei der größten und leistungsstärksten Teleskope der Welt untersucht werden, im Green-Bank-Observatorium in West Virginia und im Parkes-Observatorium in Australien.

Alle erfassten Daten und Erkenntnisse sollen öffentlich zugänglich sein, sagte Milner, der sein Vermögen mit Facebook-Aktien verdient hat und laut eigenen Angaben nach dem ersten Mann im All, Juri Gagarin, benannt ist. An einem einzigen Tag werde Breakthrough Listen mehr Daten sammeln, als bisher in einem ganzen Jahr zusammen gekommen seien. "Das Ausmaß unserer Suche wird beispiellos sein."

Erfolgsaussichten sind ungewiss

Abgehorcht werden sollen unter anderem eine Million Sterne in der Nähe, die Milchstraße und etwa 100 nahe gelegene Galaxien, und zwar auf allen möglichen Frequenzen. Davon gebe es immerhin zehn Milliarden, sagte Geoff Marcy. Parallel soll es einen mit einer Millionen Dollar dotierten Wettbewerb namens Breakthrough Message dazu geben, welche Botschaft man Außerirdischen von der Erde aus schicken sollte.

Zu den Erfolgsaussichten konnten die Wissenschaftler am Montag keine konkreten Angaben machen. "Es ist natürlich ein riesiges Wagnis", sagte der Astrophysiker Martin Rees, der früher einen Lehrstuhl in Cambridge hatte und zum Leitungsteam gehört. "Niemand zählt auf Erfolg, aber der Lohn wird so kolossal sein, wenn man erkennt, dass es anderswo Leben gibt, dass diese Investition sich sehr lohnt." Geplant sei, dass die Mitarbeiter nebenher andere Projekte verfolgen, "damit sie nicht deprimiert werden".

Stephen Hawking wies darauf hin, dass auch Erfolglosigkeit einer solch riesigen Suchaktion ein interessantes Ergebnis wäre. "Es ist wichtig für uns, zu wissen, ob wir alleine im Dunklen sind."