Ein Jäger posiert mit seinem im Iwamanzi Game Reserve erlegten Impala. © Siphiwe Sibeko/Reuters

ZEIT ONLINE: Wie würden Sie die Beziehung von Mensch und Tieren heutzutage beschreiben?

Mieke Roscher: Ambivalent. Es gibt Arten, die wir sehr eng an uns heranlassen. Haustiere sind nahezu Familienmitglieder, sie werden menschenähnlich gemacht. Andere schließen wir umso stärker aus, nämlich die, die wir essen. Kühe, Schweine und Hühner lassen die wenigsten emotional an sich heran.

ZEIT ONLINE: Was ist mit Wildtieren?

Roscher: Die fallen in eine Grauzone. Löwen, Elefanten und einige Bären gehören zur "sympathischen Megafauna". Wir sehen sie quasi als domestiziert und empfinden sie als ästhetisch – sprich: Sie gehören zur Familie, wir tragen eine Verantwortung für sie.

Das erklärt auch die Aufregung um die Jägerin, die kürzlich eine Giraffe schoss und sich mit fragwürdigen Argumenten dafür rechtfertigte, und die Wut über den Tod des Löwen Cecil, der von einem amerikanischen Zahnarzt illegal in Simbabwe erlegt wurde.

ZEIT ONLINE: Hat es eine Rolle gespielt, dass Cecil kein dahergelaufener Löwe, sondern ein Wahrzeichen des Nationalparks war, mit ausführlichem Steckbrief und Namen?

Roscher: Sicherlich. Cecil war gewissermaßen eine Symbolfigur innerhalb der Symbolfiguren der ansehnlichen, sympathischen Megafauna.

ZEIT ONLINE: Warum ist die Jagd auf diese Tiere dann so beliebt? Im Urlaub Rehe und Hirsche zu töten, ist nicht selten. Die Zahl der deutschen Auslandsjäger liegt geschätzt bei 30.000 bis 50.000 im Jahr. Wie passt das in die Zeit?

Roscher: Es geht stets um Tiere, die nicht zu unserem Lebensalltag gehören. Andererseits löst die "sympathische Megafauna" bei manchen eben nicht nur ein Gefühl von Nähe aus, sondern auch den Wunsch, sie zu dominieren.