Was zuletzt weltweit über den Quastenflosser zu lesen war, war eine Riesenenttäuschung. Eine gefühlte Ewigkeit hatte der Urzeit-Fisch, der seit 410 Millionen Jahren nahezu unverändert auf der Erde lebt, als Brückentier zwischen Fisch und Landtier gegolten. Bis man 2013 sein Genom entzifferte und merkte: Stimmt alles nicht.

Wer über die Ernüchterung noch nicht hinweg ist, den wird diese Nachricht freuen: Quastenflosser haben doch etwas Besonderes: eine Lunge. Und das, obwohl die Tiere mit Kiemen atmen (Cupello et al., 2015).

Fossile Funde zeugen von rund 70 Quastenflosser-Arten, die im Laufe der Jahrmillionen die Ozeane bevölkert haben müssen. Lange Zeit dachte man, sie alle seien ausgestorben – bis zum Jahr 1938, als Fischern vor der Küste Südafrikas mit Latimeria chalumnae überraschend ein Exemplar ins Netz ging, ein Komoren-Quastenflosser. 1997 folgte mit der Entdeckung des Manado-Quastenflossers vor Nord-Sulawesi in Indonesien eine zweite noch existierende Art, was das Tier unbezweifelbar zu einem lebenden Fossil machte. 


Seither haben Forscher einiges über die außergewöhnlichen Lebewesen herausgefunden. Komoren-Quastenflosser etwa werden bis zu zwei Meter groß und sind nach heutigen Kenntnissen im Indischen Ozean in Tiefen zwischen 110 und 400 Metern zu Hause.

Im Gegensatz zu den hauchdünnen Strahlenflossen anderer Fische sind ihre massigen Brust- und Bauchflossen über Knochen mit der Skelettachse verbunden und werden von Muskeln getragen. Dank dieser Muskeln können die Tiere sich im "Kreuzgang" bewegen, dem charakteristischen Laufmuster der Landwirbeltiere. Das brachte ihnen nicht nur den Kosenamen "alte Vierbeiner" ein, sondern untermauerte den lange gehegten, aber falschen Verdacht, sie seien das entscheidende Brückentier zwischen Fisch und Landtier.

Wer nun denkt, die jetzt entdeckte Lunge rücke die Tiere wieder an diese Schlüsselposition zwischen Meeres- und Landbewohner, der wird erneut enttäuscht. Vermutlich hätten Vorfahren der überlebenden Quastenflosser in der Kreidezeit ein Organ zum Atmen gebraucht, weil sie in sauerstoffarmem, flachem Wasser lebten, aus dem sie zwischendurch zum Luftschnappen auftauchen mussten, erklären die Forscher um die brasilianische Zoologin Camila Cupello im Magazin Nature Communications.

Erst später entwickelten einige Arten eine Schwimmblase – und waren damit besser an ein Leben in großen Meerestiefen angepasst. Sie überlebten, während die Flachwasserbewohner in der Spätkreidezeit ausstarben, vermuten die Zoologen.

3-D-Bilder des Organs als Beweis

Den Beweis für die Existenz der Quastenflosser-Lunge lieferten dreidimensionale Modelle lebender Tiere. Die Forscher hatten sie mithilfe von Röntgenstrahlen erstellt und konnten so fünf Entwicklungsstadien der Lunge lebender Komoren-Quastenflosser definieren: Obwohl die Spezies als Embryo im Frühstadium eine gut entwickelte, potenziell funktionierende Lunge besitzt, lässt das Wachstum des Organs mit der Zeit nach, bis sie für das ausgewachsene Exemplar verkümmert existiert und nutzlos ist.

Zwar diene die Lunge nicht mehr der Atmung, sie liefere aber dennoch Hinweise darauf, wie die ausgestorbenen Verwandten vor 410 Millionen Jahren gelebt hätten, schreiben die Forscher. So stieß das Team erstmals auf kleine, flexible Platten, die um das Organ angeordnet sind. Derlei Strukturen waren sonst nur von ausgestorbenen Vertretern der Quastenflosser-Familie bekannt.