Das oben gezeigte Video erklärt das Konzept von Lokalität und Quantenverschränkung sowie das neue Experiment.

"Unser Experiment zeigt jedoch eine starke Evidenz gegen ein solches intuitives und geläufiges Bild von der Natur", sagt Ronald Hanson, der die Studie geleitet hat. Eine besondere Schwierigkeit derartiger Experimente besteht darin, dass man sich bei der Auswertung der Versuche nur bedingt auf die Gültigkeit der anerkannten Naturgesetze stützen kann. Schließlich möchten Forscher ja herausfinden, ob nicht etwa bislang unbekannte Naturgesetze die beobachteten Phänomene besser beschreiben könnten. Sie müssen sich stattdessen überlegen, welchen Prinzipien die noch nicht entdeckten Gesetze gehorchen könnten.

Dabei bleiben einige logisch mögliche Kombinationen übrig. Da nunmehr Theorien, die im obigen Sinne zugleich "lokal" und "realistisch" sind, endgültig als ausgeschlossen gelten können, verbleiben nur noch Ansätze, die auf mindestens eine dieser beiden Voraussetzungen verzichten. Sowohl die verschiedenen Interpretationen zur Quantenmechanik als auch neue Theorien zum Mikrokosmos müssen sich diesen Erkenntnissen beugen.

Der Quantenphysiker Harald Weinfurter von der LMU München, der an der Studie nicht beteiligt war, sieht das Experiment als großen Fortschritt, um solche Fragen zu klären. Die gleichzeitige Widerlegung beider Schlupflöcher ist eine Leistung, an der Quantenphysiker seit Jahrzehnten arbeiten. "Alle unsere vorhergehenden Experimente konnten jeweils nur einen der Aspekte abdecken", sagt Weinfurter. Aber gleichzeitig bleiben auch hier minimale Lücken offen, die künftig mit weiteren Versuchen und besserer Statistik geschlossen werden müssen. Neue lokal-realistische Entwicklungen jedoch sind davon nicht zu erwarten. Vielmehr dürften künftige Experimente immer engere Grenzen ziehen.

"Netze, mit denen wir die Welt einfangen"

Und auch die wenigen verbliebenen Schlupflöcher – etwa zur Bedeutung des freien Willens, wenn ein Mensch persönlich die Messung durchführt – geben kaum noch Anlass zur Vermutung, der Quantenkosmos ließe sich mit Theorien beschreiben, deren Begriffe näher an unseren alltäglichen Anschauungen liegen als die eigentümlichen Gesetze der Quantenphysik.

Karl Popper hat einmal das Bonmot geprägt: "Wissenschaftliche Theorien sind Netze, mit denen wir die Welt einfangen." Spätestens nach den jüngsten Ergebnissen muss man sich hier wohl der Replik des Wissenschaftsphilosophen Michael Redhead anschließen: "Wir müssen wohl der Tatsache ins Auge sehen, dass uns die Quantenmechanik einen ziemlich sonderbaren Fisch an Land gezogen hat."