Ein Mitarbeiter der Gesundheitsbehörde sprüht Insektizide im Haus einer infizierten Person. © Fernando Vergara/ap

Der Verdacht bestand bereits: Auch zwischen dem seltenen Guillain-Barré-Syndrom (GBS) und dem Zika-Virus muss es einen bisher noch unverstandenen Zusammenhang geben. Lebensbedrohliche Verläufe des Nervenleidens, das mit schweren Lähmungen einhergehen kann, traten gehäuft in Gebieten auf, in denen das Zika-Virus umging.

Jetzt haben kolumbianische Behörden gemeldet, dass dort drei mit dem Zika-Erreger infizierte Menschen gestorben sind, die an der Autoimmunerkrankung Guillain-Barré litten. Für sechs weiteren Todesfälle werde ein Zusammenhang mit der Zika-Infektion untersucht, sagte die Leiterin der nationalen Gesundheitsbehörde, Martha Lucía Ospina.

GBS tritt häufig nach einer Infektion auf, berichtet die Pharmazeutische Zeitung. Typische Symptome dieser entzündlichen Erkrankung seien Lähmungen, die meist an den Händen oder Füßen beginnen. Ihre genauen Ursachen sind unbekannt. Betroffene erholen sich meist wieder, doch mitunter endet die Krankheit tödlich.

Zika-Virus - WHO ruft weltweiten Gesundheitsnotstand aus Die UN-Behörde fordert eine globale Koordination angesichts des sich ausbreitenden Zika-Virus. Bis zu vier Millionen Menschen könnten sich nach Hochrechnungen der WHO infizieren.

Seltene, kaum verstandene Krankheit

"GBS ist eine seltene Störung, bei der das Immunsystem eines Menschen die eigenen Nervenzellen zerstört", schreibt die US-Seuchenbehörde CDC. "Wir wissen nicht, ob eine Infektion mit dem Zika-Virus GBS verursacht." Generell sei es schwierig, das für einen speziellen Erreger nachzuweisen.

Dass schwere Fälle von GBS während Zika-Ausbrüchen gehäuft auftreten, fiel Forschern erstmals im Jahr 2013 auf. "Seit in Französisch-Polynesien Hunderte Menschen erkrankten, wissen wir, dass es schwerwiegende Verläufe geben kann", sagte Jonas Schmidt-Chanasit ZEIT ONLINE. Er leitet die Virologie am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin.

Der französische Forscher Didier Musso hält den Zusammenhang für "nahezu sicher". Ebenso gewiss ist er sich über die Verbindung der Zika-Infektion von Schwangeren und Missbildungen des Kopfes bei Säuglingen.

Inzwischen hat auch Puerto Rico wegen der Epidemie den Gesundheitsnotstand erklärt. Dort wurden 22 Zika-Patienten registriert. "Unser Hauptziel ist es, die Sicherheit der Puertoricaner zu gewährleisten und sie bei den notwendigen vorbeugenden Maßnahmen zu beraten", sagte Gouverneur Alejandro García Padilla.

Das von Gelbfiebermücken (Aedes aegypti) übertragene Virus verbreitet sich derzeit vor allem in Süd- und Mittelamerika. Brasilien und Kolumbien sind besonders betroffen. Der Infekt verläuft meist unbemerkt oder mit nur leichen Symptomen, ähnlich einer Erkältung. Das größte Risiko besteht nach Ansicht der Forscher für Schwangere: Diese könnten den Erreger auf das Baby im Mutterleib übertragen. Beim Ungeborenen kann schwere Fehlbildungen des Kopfes, einhergehend mit Hirnschäden, hervorrufen.

Bislang gibt es keinen Impfstoff gegen Zika und kein Medikament zur Behandlung Erkrankter. Wer den Infekt durchgemacht hat, ist in aller Regel danach immun. Wegen der Zika-Epidemie rief die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 1. Februar einen weltweiten Gesundheitsnotstand aus.