Mit diesen Teleskopen in Australien beobachteten Forscher den Radioblitz. © Alex Cherney

Sie leuchten nur für wenige Millisekunden am Himmel auf: Schnelle Radioblitze sind schwer fassbare, rätselhafte Phänomene. Jetzt ist es einem internationalen Forscherteam erstmals gelungen, den Ursprungsort eines solchen Strahlungsausbruchs zu identifizieren.

Der Radioblitz stammt aus einer sechs Milliarden Lichtjahre entfernten Galaxie. Bislang waren sich die Himmelsforscher nicht einmal sicher, ob es sich überhaupt um ein kosmisches Phänomen handelt oder die Blitze doch eine irdische Erscheinung sind. Im Fachmagazin Nature berichten die Wissenschaftler, dass sie mit dem Radioblitz zugleich einer bislang fehlenden Materiekomponente des Kosmos auf die Spur kommen (Keane et al., 2016).

Den ersten Radioblitz entdeckten die Forscher erst fünf Jahre nach seiner Aufnahme

"Bislang konnte man schnelle Radioblitze nur nachträglich in bereits Monate oder gar Jahre zuvor gesammelten Daten aufspüren", sagt Evan Keane vom Jodrell Bank Observatory in Großbritannien. "Dann ist es natürlich zu spät für weitere Beobachtungen." Auf den ersten Radioblitz stieß 2006 der US-amerikanische Astronom Duncan Lorimer in Archivdaten des australischen Parkes Observatory aus dem Jahr 2001. Seither hatten die Forscher gerade einmal 15 weitere der mysteriösen Ereignisse aufgespürt.          

Die Radioblitze zeigen eine Eigenschaft, die Dispersion genannt wird: Strahlung mit hoher Frequenz trifft etwas eher im Empfänger ein als Strahlung mit niedriger Frequenz. Diese Dispersion galt zwar als Indiz dafür, dass die Strahlung nicht nur aus dem Weltall, sondern sogar von außerhalb der Milchstraße, aus fernen Galaxien stammen müsse. Trotzdem blieben Zweifel am kosmischen Ursprung. Die Astronomen schlossen auch atmosphärische Erscheinungen nicht aus, auch Streuungen der Strahlung irdischer Radioquellen zogen sie als mögliche Ursache in Betracht.       

Der Blitz kommt nicht von der Erde

Die neuen Beobachtungen von Keane und seinen Kollegen schließen das nun endgültig aus. Es ist klar: Die Radioblitze kommen aus den Tiefen des Weltalls. Das Team entwickelte ein spezielles System namens Superb, um schnelle Nachbeobachtungen von Radioblitzen zu ermöglichen. Dass es funktioniert, hat sich am 18. April 2015 gezeigt. Ein wiederum am Parkes Observatory registrierter schneller Radioblitz konnte sofort von zahlreichen Instrumenten in aller Welt ins Visier genommen werden. Die meisten dieser Beobachtungen gingen zwar leer aus, doch das Australia Telescope Compact Array stieß an der Position des Radioausbruchs auf ein schwaches Nachglühen, das mehrere Tage andauerte. Das ermöglichte den Forschern die bislang genaueste Bestimmung der Position eines Radioblitzes. Und an dieser Position fand dann das acht Meter große japanische Subaru-Teleskop auf Hawaii eine sechs Milliarden Lichtjahre entfernte, elliptische Galaxie.   

Damit haben die Astronomen zwar erstmals den Ursprungsort eines schnellen Radioblitzes identifiziert – was diese Ausbrüche verursacht, wissen sie aber immer noch nicht. "Tatsächlich gibt es derzeit mehr Theorien über die Entstehung der Radioblitze, als es Radioblitze gibt", sagte Duncan Lorimer. Die Hypothesen reichen von ungewöhnlich starken Strahlungsausbrüchen auf magnetischen Neutronensternen bis hin zu Zusammenstößen Schwarzer Löcher. Mit ihrem neuen Beobachtungssystem hoffen Keane und seine Kollegen, in Zukunft weitere Radioblitze beobachten zu können – und so auch ihrer Ursache auf die Spur zu kommen.

Wo ist die unbekannte Materie versteckt?

Darüber hinaus lassen sich die sehr hellen Blitze zur Untersuchung des Universums über sehr große Entfernungen nutzen, wie das Team schon jetzt zeigen konnte. Da für den Radioausbruch von Mitte April jetzt erstmals die Entfernung bekannt ist, konnten die Forscher aus der gemessenen Dispersion die Menge der Materie ermitteln, die die Strahlung durchquert hat. Die gewöhnliche Materie, aus der Sterne, Planeten und auch Lebewesen bestehen, macht im Kosmos lediglich fünf Prozent der gesamten Materie- und Energiebilanz aus. Die dominierenden Anteile stellen mit 70 Prozent die Dunkle Energie und mit 25 Prozent die Dunkle Materie dar.

Doch auch die normale Materie stellte die Astronomen bislang noch vor ein Problem: Die in Form von Sternen und Gas sichtbare Masse summiert sich lediglich auf 2,5 Prozent. Die von dem Radioblitz durchquerte Materie entspricht jedoch tatsächlich einem Anteil von fünf Prozent – die vermeintlich fehlende Materie befindet sich also offenbar unsichtbar zwischen den Galaxien. "Unsere Beobachtungen stimmen also mit dem kosmologischen Modell überein und haben die fehlende Materie gefunden", sagt Keane. "Zum ersten Mal hat ein schneller Radioausbruch eine kosmologische Beobachtung ermöglicht."