Vor vier Jahren begann in den Biowissenschaften eine neue Zeitrechnung. 2012 veröffentlichten die Biochemikerin Emmanuelle Charpentier und ihre Kollegin Jennifer Doudna eine Gentechnik-Methode namens Crispr. Der Molekül-Komplex erlaubt es, das Erbgut aller Lebewesen – von Champignons bis Elefanten – so schnell, einfach und effizient zu verändern wie nie zuvor (Science: Charpentier et al., 2012). Die Hoffnung: den Menschen von Krebs und Aids zu befreien oder Tiere und Pflanzen gezielt zu schaffen.

Charpentier und Doudna gelten nun als Anwärterinnen für den Medizin-Nobelpreis.  

Doch jetzt macht ihnen ein Kollege ihren Ruhm streitig: Der Bioingenieur Feng Zhang, der am Massachusetts Institute of Technology (MIT) arbeitet und seine Entdeckung, wie sich Crispr auch außerhalb eines Bakteriums nutzen lässt, wenige Monate nach Charpentier und Doudna veröffentlichte (Science: Zhang et al., 2013). Er hat das Patent auf die Methode bekommen – und damit die Möglichkeit, Millionen zu verdienen. Charpentier und Doudna haben dagegen geklagt.

Crispr - So funktioniert das neue Universalwerkzeug der Gentechnik Günstig, leicht zu handhaben und enorm effektiv: Crispr revolutioniert die Gentechnik. Das Erbgut aller Lebewesen lässt sich damit beliebig formen, wie das Video zeigt.

Ein Unterschied zwischen den Publikationen

Tatsächlich waren beide Studien wegweisend. Zwar gab es schon 2002 erste Forschung zur Crispr-Technik, doch sowohl Charpentier und Doudna als auch Zhang machten die entscheidenden Entdeckungen: Die Forscherinnen hatten beschrieben, wie sich in einem Bakterium gezielt Abschnitte aus dem Erbgut entfernen lassen. Zhang war es gelungen, die Crispr-Methode nicht nur im Bakterium anzuwenden, sondern für alle Zellen zu optimieren, also auch für die von Pflanzen, Tieren und Menschen.

Die Methode ist sehr effizient. Mit ihr lässt sich das Erbgut aller Organismen redigieren wie ein Text. Einzelne Absätze, Wörter und Zeichen der DNA sind beliebig veränderbar, die Crispr-Moleküle sind die Tastatur, also das Werkzeug zur Bearbeitung. Gezielt können Forscher mit ihrer Hilfe Gene – wie einzelne Buchstaben – entfernen oder austauschen, und so den Kern der Erbgut-Botschaft verändern.

Crispr ist so leicht verständlich und günstig anwendbar, dass sich Forscher aus aller Welt darauf stürzten. Seit den Veröffentlichungen der drei Forscher haben Hunderte Wissenschaftler die Idee aufgegriffen, wie die Weltkarte im Zeitraffer zeigt. In den vergangenen Jahren haben sie damit beispielsweise Minischweine sowie krankheitsresistenten Weizen und Reis hergestellt.

Eine neue Gentechnik erobert die Welt

Nach Klick auf den Button "Zeitraffer starten" zeigt die Karte, wann und wo Forscher seit 2002 wissenschaftliche Publikationen zu Crispr veröffentlicht haben. Deutlich zu erkennen: Der Boom an Veröffentlichungen, nach der entscheidenden Studie 2012.

Nicht nur die Methode erlangte Berühmtheit, sondern auch ihre Entdecker. Deutlich wird das unter anderem daran, wie häufig sich Forscher in ihren Studien auf die grundlegenden Arbeiten der Kontrahenten beziehen und sie zitieren. Mit jeder Nennung in anderen Studien steigt das Prestige. Wer oft genannt wird, hat bessere Chancen auf Forschungsmittel. Auch bekommt er eher attraktive Jobangebote an Universitäten oder Forschungseinrichtungen.

Doudna ist eine seit Langem bekannte Wissenschaftlerin und Crispr ist für sie nur ein weiterer Erfolg in ihrer langen Karriere, wie die Kurven oben zeigen. Für Charpentier ist es anders: Die Veröffentlichung ihrer Arbeit zu Crispr machte sie bekannter, die Zahl der Zitierungen stieg sprunghaft. Den größten Einfluss aber hatte die Entdeckung auf Zhang: Sein Name hat erst mit Crispr in der Fachwelt Bedeutung erlangt.