Die EU-Kommission verlängert die Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat um bis zu 18 Monate. Bis zum Ablauf dieser Zeit soll eine neue Studie der europäischen Chemikalienagentur klären, ob Glyphosat krebserregend wirken kann. Die aktuelle Zulassung des Mittels läuft am Donnerstag um Mitternacht aus.

Ursprünglich wollte die EU-Kommission die Zulassung um 15 Jahre verlängern. Nach Protesten aus einigen Mitgliedstaaten und dem Europaparlament hatte sie jedoch die Zeit nach und nach verkürzt – zunächst auf neun Jahre und zuletzt auf anderthalb Jahre.

Die Kommission wollte die erneute Zulassung eigentlich mit den EU-Mitgliedstaaten beschließen. Das scheiterte jedoch an der fehlenden Unterstützung aus einigen Mitgliedsländern, darunter Deutschland. Die für eine Verlängerung notwendige Mehrheit kam sowohl im zuständigen EU-Fachausschuss als auch im Berufungsausschuss nicht zustande. Da es aber auch für die Ablehnung des Kommissionsvorschlags keine Mehrheit gab, konnte die EU-Behörde letztlich allein entscheiden.

Sowohl Umweltschützer als auch Pestizidhersteller kritisierten die Entscheidung. Organisationen wie der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) warfen der EU-Kommission vor, "offenkundig von den Interessen der Agrarindustrie" geleitet worden zu sein. Die Hersteller wiederum fordern weiterhin eine Verlängerung der Zulassung auf 15 Jahre.

Glyphosat ist hoch umstritten, das Mittel steht im Verdacht, das Krebsrisiko zu erhöhen. Es ist der weltweit am häufigsten eingesetzte Unkrautvernichter. Im März 2015 war der Streit über die Gefahren von Glyphosat neu entbrannt, als die Weltgesundheitsorganisation den Stoff als "wahrscheinlich krebserregend" klassifizierte.

Das deutsche Bundesamt für Risikobewertung (BfR) und mittlerweile auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit stuften es hingegen als "nicht krebserregend" ein. Im Mai 2016 kam ein Fachgremium, an dem die WHO ebenfalls beteiligt ist, zu dem Ergebnis: "Glyphosat ist nicht krebserregend."