Name: 6LL3, genannt "Dolly"
Berühmt, weil: erster Säugetier-Klon aus einer adulten Zelle
Derzeitiger Aufenthaltsort: National Museum of Scotland, ausgestopft

Von Geburt an war dieses Schaf ein Star. Am 5. Juli 1996 kam Dolly zur Welt, wie Lämmer eben geboren werden. Geschaffen aber wurde sie fünf Monate zuvor in einem Reagenzglas als Probe 6LL3. Sie entwickelte sich aus dem Erbgut einer Körperzelle, nicht aus einer befruchteten Eizelle. Damit war Dolly die erste Kopie eines erwachsenen Schafs. Und die Aufregung groß.

"Albtraum Klonen. Dein Spiegelbild wird zum Ersatzteillager", hieß es in der Bild, als britische Gentechniker im Februar 1997 schließlich ihre Kreation aus Edinburgh der Weltöffentlichkeit präsentierten. "Wir wollen keine Menschen klonen", fasste die FAZ erste Reaktionen zusammen. Und "mit dem Klonen eines Schafs verschiebt sich die ethische Basis", schrieb die New York Times. Vergleichsweise nüchtern fragte DIE ZEIT: "Welchen Sinn hat es, ein Tier zu kopieren?"

Die Chancen der Klontechnik waren überschätzt

Befürworter der Technik erhofften sich vom Klonen Heilmethoden für Krankheiten wie Krebs oder Alzheimer. Skeptiker hingegen warnten vor einer Horrortechnik, mit der eines Tages geklonte Menschen in die Serienproduktion gehen könnten. Heute steht fest: Die Chancen und Risiken der Technik waren deutlich überschätzt.

"Der Tag, an dem wir Dolly machten, lief so was von schlecht", erinnert sich eine der Erschafferinnen, die Embryologin Karen Walker im Interview mit Nature. Es war der 8. Februar 1996 und die Zellkerne, mit denen die Forscher eigentlich arbeiten wollten, waren verunreinigt. "Ich fragte mich: 'Was können wir stattdessen nehmen?'", sagt Walker. Die Eizellen verkommen zu lassen, sei keine Option gewesen. Also habe man genutzt, was zur Verfügung stand: die Zellen eines sechs Jahre alten Schafs. Eine Revolution.

Kurz zusammengefasst lässt sich die Methode des Transfers so beschreiben: Die Forscher nahmen eine Oozyte, eine unbefruchtete Eizelle, und entfernten die Chromosomen. Dann nahmen sie eine komplette Zelle, die sowohl männliche als auch weibliche Chromosomen enthielt. Anschließend verschmolzen sie diese Zelle mit der entkerten, regten das Wachstum an – und pflanzten sie in eine Leihmutter. Ein Video des Sunday Morning Herald fasst es gut zusammen:

In der Realität war es komplizierter. Und langwieriger. "Du sitzt, schaust durch ein Mikroskop und du hast beide Hände an den Mikromanipulatoren", sagt Walker. Mit ihnen lassen sich gezielt Eingriffe im Bereich von Mikrometern machen. "Es ist wie mit diesen Joysticks für Computerspiele. Doch wenn dein Ellenbogen wegrutscht, könnte man die gesamte Petrischale fortwischen." Nach 276 Fehlversuchen klappte es (Nature: Wilmut et al., 1997).

Sie hat ein weißes Gesicht und wuschelige Beine.
Aus einem Fax an Karen Walker, Dolly-Erschafferin

Insgesamt 277 Zellkerne eines Finn-Dorset-Schafs wollen die Forscher in die Eizellen eines Scottish Blackface transferiert haben. Nur 29 der entstandenen Embryonen pflanzten sie in die Leihmutter. Die Erwartungen seien gering gewesen, berichtet Nature: Es schien nahezu unmöglich, dass sich der Zellkern einer erwachsenen Zelle so reprogrammieren lässt, dass ein lebendiges Tier daraus wächst. Die meisten geklonten Embryonen starben ab, viele noch ehe die Forscher eine Schwangerschaft mit Ultraschall bestätigen konnten. In Dollys Fall aber ging alles gut. Gegen 16:30 Uhr am 5. Juli 1996 setzen bei der Leihmutter die Wehen ein. Eine halbe Stunde nach der Geburt stand das Doppelgänger-Schaf erstmals auf.

"Sie hat ein weißes Gesicht und wuschelige Beine" – die Nachricht erreichte Walker per Fax in einem Hotel. Als Dolly geboren wird, ist sie auf einer Hochzeit. Im Hotel habe man sich sicherlich über dieses komische Baby gewundert, scherzt das Team heute.