"Die Straßen von Paris sind traurig. Ich möchte einen Roboter bauen, der sie wieder fröhlich macht", schrieb Eva. Sie habe bereits angefangen, Roboter zu programmieren, doch so ganz wolle es nicht klappen. "Ich möchte an Ihrem Stipendienprogramm teilnehmen, damit Mentoren mir helfen." Eva ist zehn Jahre alt. Und Firmengründerin Kat Borlongan sei nach der Lektüre so gerührt gewesen, dass sie Ja gesagt habe. Obwohl das Stipendium ursprünglich nicht für Kinder, sondern für "Data Scientists, DIY Urban Designers und Open Street Mappers" gedacht war. 

Ihren Antwortbrief hat Borlongan medienwirksam auf Facebook veröffentlicht. Überzeugt habe sie vor allem, heißt es darin, dass Eva offen um Hilfe gebeten habe. Sie hoffe, ihre Arbeit an Robotern möge junge Mädchen aus aller Welt ermutigen.

Ganz so spektakulär ist die Wahrheit oft nicht

Zehnjährige, die Roboter bauen. 15-Jährige, die Maya-Städte entdecken. 18-Jährige, die Superakkus erfinden – regelmäßig verzücken vermeintliche Minigenies die Öffentlichkeit. Allzu häufig jedoch instrumentalisieren Eltern, Firmen und Schulen die Kinder. Als Vorbilder – Wissenschaft, Mathematik und Technik ist nicht bloß was für Jungs –, vor allem aber als Werbemittel. 

Eva beispielsweise bekommt nun nicht nur das neueste Robotermodell. Ihr Mentor wird niemand geringerer sein als der Präsident der Firma. Win-Win. Schließlich lässt sich die Geschichte der ambitionierten Jungcoderin, die endlich ihr ersehntes Projekt umsetzen kann, hervorragend vermarkten.

Doch ganz so spektakulär ist die Wahrheit oft nicht. Im Mai erst hatten Medien beispielsweise über den 15-jährigen "Star-Archäologen" William Gadoury berichtet. Er habe mithilfe von Satellitenbildern der kanadischen Raumfahrtagentur eine Maya-Stadt entdeckt, hieß es. Sensationell! Doch die Begeisterung nahm rasch ab, als klar wurde: Gadoury ist zwar hochmotiviert. Statt jahrtausendealte von den Mayas aufgetürmte Steine steckt hinter der Formation aber wohl eher ein Maisfeld. Von der Aufmerksamkeit für den Acker profitierte nicht zuletzt die Raumfahrtagentur selbst.

Anderes Beispiel: Schülerin Eesha Khare, die 2013 bei einem Praktikum an der University of California in Santa Cruz etwas "erfand", das in Zeitungen und Internetforen bald als angeblicher Superakku die Runde machte. In Sekundenschnelle sollten sich damit Handys aufladen lassen, Khare gewann unter anderem einen 50.000-Dollar-Preis der Intel International Science and Engineering Fair.

Tatsächlich fand die Entdeckung in einem Labor statt, das seit Jahren an der Entwicklung von Hochleistungskondensatoren mit Nanoröhren arbeitet, unter der Leitung des Assistenzprofessors Yat Li. Der wurde hinterher von der Pressestelle so zitiert: "Eeshas Forschung war eine Erweiterung der Arbeit, die wir in meinem Labor machen, aber sie hatte neue Ideen und führte die Sache in eine neue Richtung. Das Ganze war ein gut geführtes und organisiertes Projekt, ich war daher ziemlich beeindruckt."

Fragt sich, wer das Ganze gut geführt hat. Sicher ist: Nach dem Begeisterungssturm kam der Shitstorm, weil der angebliche Superakku doch nicht so super war.