Psychologisch ist dies nachvollziehbar: Es lassen sich gefährliche Situationen in einem kulturell fremden Land wesentlich weniger gut einschätzen, als man dies für Frankreich und andere europäische Länder glaubt tun zu können. Das mag ein subjektiver Trugschluss sein – er ist aber wirksam genug, um Touristenströme zu lenken. Gleichzeitig zeigt die Erfahrung, dass auch die Touristen wiederkehren, wenn es über mehrere Wochen und Monate keine neuen Anschläge in den entsprechenden Ländern gibt.

Die Erfahrung zeigt auch, dass sich Menschen bei wiederholten Anschlägen Stück für Stück an diesen Zustand gewöhnen können. Vor allem in den sechs Ländern, in denen mehr als 80 Prozent aller Terroropfer zu beklagen sind (siehe Grafik), verläuft das zivile Leben erstaunlich normal. Über die Zeit hinweg wird das, was als normal empfunden wird, an die äußeren Gegebenheiten ständig angepasst.

So könnte es auch in Europa passieren, dass bei immer wiederkehrenden Anschlägen so etwas wie Normalität unter anderen Vorzeichen einkehrt. Das wird vor allem potenzielle Terroristen ärgern: Wut, Frust und Empörung nutzen ihnen mehr als Gleichgültigkeit.

Noch sind wir weit davon entfernt, dass terroristische Übergriffe oder Amokläufer zum Alltag in Europa gehören. In der Vergangenheit hat sich gerade in Europa gezeigt, dass es immer wieder oszillierende Muster des Terrorismus gegeben hat: etwa die blutige Zeit der Roten Armee Fraktion und der roten Brigaden, die NSU-Täter aus dem rechten Lager und jetzt die Bedrohungen durch religiös fanatisierte Individuen und Gruppen.

Wenn es den Europäern gelingt, der Bedrohung mit Augenmaß entgegenzutreten, fällt die Gewalt mit großer Wahrscheinlichkeit irgendwann in sich selbst zusammen. Das ist keine Gewissheit, aber die eben genannten Erfahrungen der Vergangenheit zeigen, dass wir darauf hoffen können.