Eine fremde Welt, bevölkert von außerirdischem Leben – das wär's doch! Hochmotiviert suchen Astronomen in den Tiefen des Alls nach einer zweiten Erde. Nun haben sie den bisher bedeutendsten Fund gemacht: Proxima b, ein erdähnlicher Exoplanet im Sternbild Centaurus, nur rund vier Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernt (Nature: Anglada-Escudé et al., 2016). Vielleicht ist er der nächste Ort außerhalb unseres Sonnensystems, an dem Leben existieren kann.

Vor etwas mehr als zwei Jahrzehnten hatten Forscher die ersten Planeten gefunden, die fernab unseres Systems sonnenähnliche Sterne umkreisen. Mittlerweile sind mindestens 2.000 weitere Exemplare bekannt. Eine ähnliche Zahl wartet auf Bestätigung. Doch der große Hit war noch nicht dabei: ein Planet, auf dem außerirdisches Leben möglich wäre.

Die meisten Objekte sind sogar ziemlich weit davon entfernt – zu heiß, zu instabil, zu giftig. Es sind allein die Rekorde, die Exoplaneten faszinierend machen. Da gibt es etwa Kepler-444, das älteste bislang bekannte Sonnensystem in unserer Galaxie, das erdgroße Planeten beherbergt. Oder WASP-33b, mit Temperaturen von bis zu 3.200 Grad Celsius der heißeste bekannte Exoplanet. Oder der Stern Gliese 667C, der gleich sechs, mit großer Wahrscheinlichkeit sogar sieben Planeten besitzt. Drei davon ziehen ihre Bahn in der lebensfreundlichen Zone des Sterns, eine bisher einzigartige Konstellation.

Drei Jahre vom Gerücht zur Bestätigung

Und nun eben Proxima b, der seit dieser Woche den Titel "nächster Exoplanet" trägt. Über ihn ist schon jetzt zu sagen: Die Lebensqualität vor Ort lässt mit großer Wahrscheinlichkeit zu wünschen übrig. Aber auch: Proxima b wird in der Zukunft eines der wichtigsten Ziele für die Suche nach Leben im Universum sein. Weniger, weil er als zweite Erde so unfassbar vielversprechend, sondern weil er so nah ist.

Erste Hinweise auf den Exoplaneten hatte das Team um den Astronomen Guillem Anglada-Escudé bereits 2013 gefunden. Seitdem hielt sich das Gerücht einer zweiten Erde, nur rund vier Lichtjahre von ebendieser, auf der die Menschheit atmet, entfernt. Doch die Signale des Objekts waren zu schwach für den endgültigen Beweis. In diesem Jahr schließlich konnten sie mithilfe von Teleskopen der Europäischen Südsternwarte den Fund mit belastbaren Daten belegen.

Möglich gemacht hat es die Radialgeschwindigkeitsmethode, auch "Doppler-wobble-Methode" genannt (siehe Infobox). Die Forscher nutzen dabei den Umstand, dass sich Planet und Stern um einen gemeinsamen Schwerpunkt bewegen, der durch die Masse des Planeten nicht im Mittelpunkt des Sterns liegt. Die Anziehung des Planeten führt dazu, dass der Stern von der Erde aus beobachtet, zu wackeln scheint. Je nach Position unterscheidet sich das messbare Lichtspektrum, über mehrere Rechenwege konnten sie schließlich Bahn und Masse von Proxima b bestimmen. Die Vermutungen zu seiner Beschaffenheit leiten sich wiederum davon ab.

Mit der Entdeckung eines Exoplaneten ist die Arbeit allerdings nicht getan. Im Gegenteil. Sie fängt erst an. Die wirklich entscheidenden Fragen gilt es noch zu klären, etwa: Wie ist dieser Planet tatsächlich beschaffen? Ist er fest und erdähnlich oder ein Gasriese wie der Jupiter? Und nicht zuletzt: Ist er habitabel, also bewohnbar?

Grundlegendes ist dabei längst nicht geklärt. So hat die Internationale Astronomische Union nicht offiziell definiert, welche Kriterien ein Himmelskörper erfüllen muss, um in die Kategorie "Exoplanet" zu fallen. Geschweige denn, was "erdähnlich" oder "habitabel" eigentlich bedeuten. Muss das Objekt um einen Stern kreisen? Was aber ist dann mit den frei durch das All reisenden Körpern wie womöglich Planet 9 – sind das dann keine Planeten?