Die Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G 20) stößt zu viel CO2-Emissionen aus, um die Ziele des Weltklimagipfels von Paris zu erreichen. Insbesondere die Produktion von Kohlestrom sowie die Subventionen für fossile Energien gefährden die Umsetzung des Zwei-Grad-Ziels. Zu diesem Schluss kommt eine von Climate Transparency veröffentlichte Studie. An dem Report arbeiteten eine Reihe unterschiedlicher Umweltorganisationen und analysierten die Staaten in vielen Bereichen der Klima- und Energiepolitik, unter anderem Emissionsausstoß, Entwicklung der Kohleverstromung und sogenannte grüne Investitionen.

Die G 20 ist für mehr als drei Viertel des weltweiten Energieverbrauchs und Treibhausgasausstoßes verantwortlich. Entsprechend hat die Energiepolitik dieser Staaten einen erheblichen Einfluss darauf, ob, wann und wie sich die Klimaschutzziele von Paris erreichen lassen. Auf dem Weltklimagipfel von Paris hatten sich 195 Staaten verpflichtet, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Langfristig sollen nicht mehr Treibhausgase wie CO2 ausgestoßen werden, als gleichzeitig zum Beispiel von Wäldern wieder aufgenommen werden können.

Die energiebedingten Emissionen sind von 1990 bis 2013 um mehr als die Hälfte gewachsen. Obwohl dieses CO2-Wachstum zum Stillstand gekommen ist, kritisieren die Autoren der Studie die zu geringe Geschwindigkeit des Ausbaus erneuerbarer Energien: "Unsere Studie zeigt zweierlei: Auf der einen Seite scheint das Wachstum der globalen Emissionen beendet zu sein. Auf der anderen Seite entfaltet der Umbau von der fossilen zur grünen Wirtschaft noch nicht genug Dynamik", sagt Jan Burck von Germanwatch. Denn während beim Neubau von Kraftwerken inzwischen die erneuerbaren Energien mehr als die Hälfte der Investitionen ausmachen, machen in den bestehenden Energiesystemen der G-20-Staaten noch immer die Energieträger Kohle, Öl und Gas den größten Teil aus.

"China mit Führungsrolle in der Klimapolitik"

Hauptproblem für die Umsetzung der Pariser Klimaziele sind laut der Studie die große Anzahl der geplanten Kohlekraftwerke in den G-20-Staaten. Denn würden alle Planungen umgesetzt, liefe das nahezu auf eine Verdopplung des Kohleverbrauchs hinaus. Dies würde es nach Einschätzung der Experten praktisch unmöglich machen, die weltweite Erwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. "Die G-20-Staaten müssen sich von ihrer Kohle-Abhängigkeit lösen. Das würde ihnen bedeutend mehr Spielraum zur Erhöhung ihrer Klimaziele geben und sie könnten tatsächlich auf einen Pfad zu einer Erwärmung unter zwei Grad einschlagen", sagt Mitautor Niklas Höhne vom NewClimate Institute.

Die Bewertung der Studie für Deutschland fällt zwiespältig aus: Obwohl Deutschland den Ausbau der erneuerbaren Energien vorangetrieben habe, kritisieren die Autoren auch hier den immer noch sehr hohen Anteil von Kohlestrom und Subventionen für fossile Energien. Hoffnungen setzt Peter Eigen, Co-Vorsitzender von Climate Transparency, auf China. "Das Gastgeberland des bevorstehenden G-20-Gipfels hat mehrfach die Notwendigkeit des Klimaschutzes betont." Auch zeige die Studie, dass China mehr für den Schutz des Klimas tue als viele andere Staaten. "China kann beim bevorstehenden Gipfel eine Führungsrolle in der Klimapolitik übernehmen und helfen, die Welt vor einem gefährlichen Klimawandel zu bewahren."

Climate Transparency ist ein Zusammenschluss verschiedener internationaler Organisationen und Vereinigungen im Bereich Klimapolitik. An der Studie waren unter anderem Experten des NewClimate Institute, von Germanwatch, der Humboldt-Viadrina Governance Platform und des britischen Overseas Development Institute beteiligt. Die Daten stammen unter anderem vom globalen Klimaschutz-Index von Germanwatch sowie dem Climate Action Tracker von Climate Analytics, NewClimate Institute, Ecofys und dem Potsdam Institut für Klimafolgenforschung.