Sauber, leise, energieeffizient und sicher – so stellen sich die Ingenieure des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) die Zukunft des Fliegens vor. Um ihre Vision in einigen Jahren Wirklichkeit werden zu lassen, haben sie das Hybridflugzeug HY4 entwickelt. Am Donnerstagmittag ist das Passagierflugzeug erstmals gestartet und nach knapp zehn Minuten sicher gelandet. An Bord waren zwei Testpiloten sowie zwei simulierte Passagiere.

"Ich bin stolz darauf, dass europäische Forscher und Hersteller dieses Flugzeug verwirklicht haben", sagt Violeta Bulc, EU-Kommissarin für Verkehr. Das Projekt verkörpere die Zukunft des emissionsfreien Fliegens. Tatsächlich gilt der futuristische Flieger mit Propeller an einem Mittelteil sowie zwei jeweils zweisitzigen Kabinen an den Tragflächen etwas links und rechts davon in Fachkreisen als wichtiger Schritt auf dem Weg zu sauberem und leisem Fliegen.

Ein spezielles Hybridsystem hat den Erstflug möglich gemacht. Es besteht aus einem Wasserstoffspeicher, einer Niedertemperatur-Wasserstoffbrennstoffzelle sowie einer Hochleistungsbatterie. Die Brennstoffzelle wandelt die Energie des Treibstoffs Wasserstoff direkt in elektrische Energie um. Als einziges Abfallprodukt entsteht dabei Wasser. Mit dem so gewonnenen Strom treibt der Elektromotor den Propeller des Flugzeugs an. Die an Bord mitgeführte Lithium-Ionen-Batterie liefert zusätzlichen Strom während der Startphase  und bei Steigflügen. Wird der für die Brennstoffzelle benötigte Wasserstoff durch Elektrolyse erzeugt, die Strom aus erneuerbaren Energien nutzt, fliegt die HY4 komplett emissionsfrei.

Die Vision: Reisen per Electric Air Taxi

Vor allem im deutschen und europäischen Regionalverkehr sollen Hybridflieger eingestezt werden. Zumindest in der Vorstellung der DLR-Forscher. "Unser Ziel ist es, Flugzeuge wie die HY4 als Electric Air Taxi einzusetzen, um Ziele flexibler anzubinden und schnellere Alternativen zu bestehenden Transportwegen und -mitteln zu bieten", sagte Projektleter Josef Kallo schon vergangenes Jahr in einer Pressemitteilung. Gerade für kürzere Strecken seien elektrische Antriebe sehr gut geeignet, weil sie lärm- und emissionsarm sind und aufgrund ihres hohen Drehmoments auch auf kurzen Bahnen starten und landen können. Mit mehr als 60 regionalen und internationalen Flughäfen verfüge Deutschland zudem über ein gut ausgebautes, großflächig verteiltes Netz und die geeignete Infrastruktur für die Verwirklichung dieses Ansatzes.

Die Idee ist löblich, der erste Versuch war vielversprechend. Doch die Serienproduktion ist noch weit entfernt. Ein Problem: der Antrieb. Die HY4 bietet Platz für vier Passagiere – zu wenig für das angestrebte Air Taxi und erst recht für den kommerziellen Flugverkehr. Das wissen auch die Forscher am DLR. "Große Passagierflugzeuge werden auf absehbare Zeit noch mit konventionellen Antrieben fliegen", sagt etwa Thermodynamiker André Thess. Seine Kollegen und er halten es für wahrscheinlich, in den nächsten 25 Jahre einen 40-sitzigen Flieger mit einer Reichweite von rund 1.000 Kilometern zu entwickeln.