Kaum zu glauben, dass so etwas möglich ist. Wenn die Rosetta-Sonde am Freitag 720 Millionen Kilometer von uns entfernt auf dem Kometen Tschurjumow-Gerassimenko aufsetzt, endet die erfolgreichste Mission der europäischen Weltraumagentur Esa. Mehr als zehn Jahre dauerte Rosettas Anreise, zwei volle Jahre hat die Sonde den entenförmigen Kometen begleitet und Zehntausende Fotos geschossen. Nun nimmt die Sonde die Staubwüsten, Kliffs und Gasfontänen des Schweifsterns ein letztes Mal aus nächster Nähe unter die Lupe. Dann schalten alle Geräte ab.

Doch der große Erfolg birgt auch eine Enttäuschung: Denn die Mission hat gerade deshalb fast perfekt funktioniert, weil sie exakt das Erwartete vorfand. Im Großen und Ganzen entspricht Tschurjumow-Gerassimenko ziemlich genau dem Bild eines dreckigen Schneeballs, das sich die Wissenschaft, lediglich gestützt auf Teleskopbeobachtungen und theoretische Überlegungen, bereits vor 60 Jahren von Kometenkernen gemacht hatte.

Damit soll die Leistung der Mission nicht geschmälert werden. Schon Rosettas punktgenaue Navigation quer durchs Sonnensystem war ein technisches Meisterwerk. Alle 21 wissenschaftlichen Instrumente an Bord haben funktioniert – und das nach jahrelangem Tiefschlaf in eisiger Dunkelheit. Kleinere Probleme konnten trotz der gewaltigen Entfernung und der damit verbundenen Zeitverzögerung des Funkverkehrs von bis zu 40 Minuten gelöst werden. Es war ein Siegeszug der Robotik – und zwar der Robotik des vergangenen Jahrhunderts. Denn Rosetta wurde schon Mitte der achtziger Jahre geplant und Ende der Neunziger gebaut.

Revolutionäre Erkenntnisse hat die Mission nicht gebracht

Nun kann sich die Menschheit zum ersten Mal ein klares Bild vom kleinen Kern eines Schweifsterns machen – zuvor hatten nur verwaschene Fotos dieser Kategorie von Himmelskörpern existiert. Rosetta hat die Entstehung des viele Millionen Kilometer langen Kometenschweifs beobachtet, das Forschungslabor Philae auf die Kometenoberfläche geschubst, Staub- und Gasproben analysiert.

Nur revolutionäre Erkenntnisse hat die Mission bisher nicht hervorgebracht. Eine Überraschung war lediglich die Vielgestaltigkeit des Schweifsterns. Lange hatten Astronomen gestritten, ob eine Kometenoberfläche hart wie Eis oder weich wie Zigarettenasche sei. Jetzt wissen sie: Beides ist richtig, je nachdem, wo man misst.

Den Beweis erbrachte ausgerechnet die einzige größere Panne der Rosetta-Mission: Weil die Harpunen des Philae-Landegeräts versagten, musste es mehrfach aufsetzen. Am Ende traf das Minilabor dann auf einen über 2000-mal so harten Boden wie beim ersten Aufsetzen. Damit war klar: Die Kometenoberfläche ist erstaunlich variabel. Was lernt man daraus? Perfektion mag beeindrucken, klug wird man vor allem aus Fehlern. Ein Glück, dass es sie auch bei Rosetta gab.

Das finale Manöver leitet Rosetta bereits am 29. September um 22:50 Uhr deutscher Zeit ein. Am nächsten Tag gegen 12:40 Uhr (+/- 20 Minuten) soll die Sonde dann auf dem Kometen aufsetzen. Ob es klappt, steht erst weitere 40 Minuten später fest. So lange braucht das Signal von Tschuri zur Erde. Bestenfalls verläuft Rosettas letzte Aktion wie in diesem vorab veröffentlichten Animations-Video: