Bis zur Umlaufbahn des Mars haben es Europa und Russland schon mal geschafft. Nun müssen sie ihr bislang bestes Stück der ExoMars-Mission bloß noch auf dem Roten Planeten absetzen. Am Sonntagnachmittag, 16.42 Uhr deutscher Zeit, soll das Landemodul Schiaparelli von seinem Orbiter abkoppeln und sich für die Landung am darauffolgenden Mittwoch in Position bringen.

Der Erfolg oder Misserfolg der Aktion entscheidet über nicht weniger als die Zukunft der gesamten Mission. Schließlich wollen die verantwortlichen Weltraumbehörden Esa und Roskosmos 2020 ihren ersten eigenen Hightechroboter zum Roten Planeten schicken. Fraglich ist bislang aber, mit welcher Technik der Rover am schnellsten und sichersten auf die Oberfläche gelangt und wo er gut landen kann. Schiaparelli soll die Antworten liefern.

Schon jetzt ist all das mehr als eine technische Übung. Es geht – mal wieder – um das große Ganze: Die Suche nach Leben auf einem fremden Planeten. Und um die Frage, wie sich verhindern lässt, dass der Mensch ungewollt Spuren der Erde ins All verschleppt.

Salzwasser gibt es auf dem Mars, aber was ist mit Leben?

Nach jetziger Kenntnis gab es Zeiten, da hätte auf dem Mars Leben entstehen können. Forscher hoffen, dass Spuren davon noch immer nachweisbar sind. So haben Sonden und Roboter in den vergangenen Jahrzehnten Daten geliefert, laut denen es noch heute Wasser auf dem Roten Planeten gibt. Allerdings sehr salziges. Zuletzt stützte diese These der Mars Reconnaissance Orbiter, dessen Spektrometer Spuren von Salz in Form von Salzhydraten entdeckt hat. Entsprechende Hinweise hatten drei Jahre zuvor der Rover Curiosity und in den Siebzigerjahren die Viking-Sonden geliefert. Alles amerikanische Projekte.

Nun wollen Europa und Russland ran. Gut sieben Monate nach dem Start hat die europäisch-russische Mission ExoMars den Roten Planeten erreicht. Die unbemannte Raumsonde besteht aus dem Forschungssatelliten Trace Gas Orbiter (TGO) und bereits genanntem Testlandemodul Schiaparelli. Während TGO in eine Umlaufbahn einschwenkt, soll Schiaparelli am 19. Oktober elegant auf dem Mars aufsetzen.

Die Landung soll 121 Kilometer über dem Marsboden beginnen. Der Plan: Schiaparelli tritt mit einer Geschwindigkeit von 21.000 Kilometern pro Stunde in die Atmosphäre des Planeten ein. In weniger als sechs Minuten landet das Modul mithilfe eines Fallschirms und Bremstriebwerken im Marshochland Meridiani Planum nahe dem Äquator. Eine Art Airbag, der sich auf den letzten zwei Metern im freien Fall öffnet, federt den Aufschlag ab.

Schon während Schiaparelli direkten Kurs auf den Mars nimmt, beginnt seine Arbeit. Allerdings vermag das Modul – mit Verlaub – nicht allzu viel zu leisten. Es soll zuerst fünfzehn Schwarz-Weiß-Bilder machen, damit sich die Landeregion später dreidimensional modellieren lässt. Die Esa hat das schon einmal vorbereitet:

Später wird Schiaparelli unter anderem die Temperatur, Windgeschwindigkeit, Feuchte und den Staubgehalt der Atmosphäre messen.