Abwarten, zittern, bangen. Schon während der Marslandung ihres Schiaparelli-Moduls gestern Nachmittag blieb den Ingenieuren der ExoMars-Mission kaum etwas anderes zu tun. Nun müssen sie wieder zittern: Der Kontakt zu dem Landemodul ist abgerissen. Derzeit ist unklar, ob Schiaparelli heil auf auf dem Roten Planeten angekommen ist.

In den ersten Minuten der Landung sah es nach einer erfolgreichen Mission aus. Zwei Geräte hatten ein Signal des Landers während der Abstiegsphase empfangen – doch dann brach es ab. Die bislang gute Nachricht: Die Sonde der ExoMars-Mission – der Trace Gas Orbiter – ist ersten Daten zufolge in der richtigen Umlaufbahn und wird den Planeten somit fortan umkreisen. Auf einer Pressekonferenz am Donnerstagmorgen verkündeten die beteiligten Ingenieure der Raumfahrtagenturen Esa und Roskosmos, man werte weiter Daten aus, um herauszufinden, in welchem Zustand Schiaparelli ist.

Dazu zählen Signale von Weltraumteleskopen, Marssatelliten der Nasa und der eigenen Sonde der ExoMars-Mission.

Sechs Minuten Höllentrip

Am Mittwoch um 16.42 Uhr war die programmierte Landung eingeleitet worden, sechs Minuten später hätte Schiaparelli sein Ziel erreichen sollen. Weil in so einem Moment kein Kontakt zu den Bodenstationen besteht, nennen die Amerikaner die Zeit während eines solchen Manövers "Minuten des Schreckens", erklärte der beteiligte Ingenieur Jorge Vago. Das Modul begann in 121 Kilometern Höhe über dem Roten Planeten den Sinkflug und sauste mit 21.000 Kilometern pro Stunde durch die Atmosphäre des Planeten zu Boden. Zum Abbremsen sollte es einen Fallschirm aufspannen und kurz vorm Aufsetzen abwerfen, um dann sanft auf dem Mars zu landen.

In einer Animation hatte die Esa vorab den gewünschten Ablauf dargestellt:

Countdown bis zur Gewissheit

Ob es sich so zugetragen hat, ist ungewiss. Zuerst empfing das weltgrößte Radioteleskop – das Giant Metrewave Radio Telescope in Pune, Indien – ein Signal von Schiaparelli. Als nächstes meldete sich auch die Mars-Express-Sonde, die bereits um den Roten Planeten kreist. Doch dann brachen die Signale ab. Bis jetzt konnte das ExoMars-Team keinen Kontakt zum Lander mehr herstellen.

Die Forscher versuchen weiterhin unter anderem mit dem Mars Reconnaissance Orbiter (MRO), einer Nasa-Raumsonde, die schon vor Ort ist, den Lander aufspüren. Die Telemetriedaten des MRO sollten das ermöglichen. Erst wenn das gelänge, könnten Europa und Russland die erste Marslandung in ihrer Geschichte feiern.

Vorgesehen war, dass die Batterien Schiaparellis ausreichen, um wenige Tage Daten zur Erde zu schicken. 15 Schwarz-Weiß-Bilder sollte er im Landeanflug machen, aus denen man später die Landeregion in 3-D rekonstruieren will. Zudem waren Messungen von Temperatur, Feuchtigkeit und Zusammensetzung der Marsatmosphäre geplant. Hauptziel des Manövers war, eine Marslandung als solche zu testen.