Keine Panik, Sie müssen nicht wegschauen. Es ist ein ziemlich elegantes Wesen, das den Thron des "Insekts des Jahres 2017" besteigen wird. Die Europäische Gottesanbeterin, Mantis religiosa.

Sie löst damit den Dunkelbraunen Kugelspringer (Allacma fusca) ab – ein bis zu seiner Krönung weitgehend unbekannter und für Menschenaugen eher hässlicher Zeitgenosse. Vergleichsweise anmutig ist dagegen die Thronfolgerin. Eine Jury aus Zoologen und Naturschützern des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) verleiht den Titel einmal pro Jahr. Die Gottesanbeterin breite sich derzeit in unseren Breiten aus – darauf wolle man damit aufmerksam machen.

Ein Leben wie ein Blatt

Still sitzen, wie ein Blatt mit Ästen aussehen, abwarten, zupacken – mit dieser Strategie haben es Gottesanbeterinnen (Mantodea) weit gebracht. Seit Jahrmillionen leben sie auf der Erde – haben Dinosaurier noch mit den eigenen Facettenaugen gesehen. Das älteste bislang bekannte Mantis-Fossil – als Bernstein-Einschluss verewigt in einem hart gewordenen Tropfen Baumharz – ist 97 Millionen Jahre alt und wurde im Gebiet des heutigen Myanmars gefunden.

Um die 2.500 Arten der Fangschrecken leben heute weltweit verstreut. In Deutschland gibt es sie noch gar nicht so lange. Sie wurden aus afrikanischen Breiten eingeschleppt – gelten mittlerweile aber nicht mehr als Invasoren, sondern als einheimische Art. Diese gilt sogar als gefährdet – doch das ist vielleicht bald schon hinfällig: "In den letzten Jahren hat sich die Gottesanbeterin stark ausgebreitet – das scheint auch eine Folge des Klimawandels zu sein", sagte Thomas Schmitt vom Entomologischen Institut in Müncheberg und Vorsitzender des Auswahlkuratoriums.

Schau mir in die Facettenaugen!

Fangschrecken zählen zu den Fluginsekten (Pterygota), sind dazu aber oft zu faul. Lieber warten sie regungslos und teils stundenlang auf vorbeikrabbelnde oder -schwirrende Beute: Käfer, Heuschrecken, Spinnen, Wespen – all das schnappen sich Gottesanbeterinnen mit ihren langen Fangarmen und verspeisen es mit ihren scharfen Mandibeln.