ZEIT ONLINE: Donald Trump will das Erdbeobachtungsprogramm der Nasa angeblich auslaufen lassen. Die Abteilung Earth Science der US-Weltraumbehörde soll unter ihm als US-Präsident kein Geld mehr bekommen. Man wolle die politisierende, "politisch korrekte" Klimaforschung, die dort bisher betrieben worden sei, nicht unterstützen. Was würde so ein Schritt bedeuten, Herr Aschenbacher?

Josef Aschbacher: Diese Arbeit der Nasa ist weltweit einzigartig. US-Satelliten liefern essenzielle Informationen, nicht nur für die Klimaforschung. Unvorstellbar, dass dies komplett an andere übertragen werden kann. Für Teilbereiche der Datenauswertung mag das möglich sein, aber die Erdbeobachtung kann man nicht von A nach B verpflanzen. Die Nasa ist zwar nicht einzige Organisation, die Klimabeobachtungen und -messungen durchführt, aber eine der wichtigsten.

ZEIT ONLINE: Warum geht das nicht?

Aschbacher: Für den Bau von Satelliten – und das ist ja das Kerngeschäft – sind enorme Ingenieurskapazitäten notwendig. Hochspezialisierte Menschen sorgen dafür, dass sie funktionieren. So eine Arbeit kann man niemandem übertragen, der damit keine Erfahrung hat. Das würde sicher schief gehen. Die Earth Science Division ist so tief verankert und so wichtig für Amerika, dass es ohne sie enorme Probleme geben würde, nicht nur im Klimabereich.

ZEIT ONLINE: Aber Sie haben doch auch Leute, die diese Expertise haben. Könnte Europa die Satelliten der Amerikaner übernehmen?

Wenn die Satelliten nicht ordnungsgemäß betrieben und kontrolliert werden, dann haben Sie unkontrolliertes und nutzloses Eisen im Weltall rumfliegen.
Josef Aschbacher, Chef des Esa-Erdbeobachtungsprogramms

Aschbacher: Nein. Erstens ginge das nicht und zweitens ergibt das keinen Sinn. Satelliten müssen von denen betrieben werden, die sie gebaut haben. Es gibt in Amerika niemanden, der die Satelliten der Nasa genauso gut betreiben könnte wie sie selbst. Es ist unvorstellbar, dass die Earth Science Division dafür keine Mittel mehr bekommen soll. Wenn die Satelliten nicht ordnungsgemäß betrieben und kontrolliert werden, dann haben Sie unkontrolliertes und nutzloses Eisen im Weltall rumfliegen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass es Unmengen an Geld gekostet hat, sie zu entwickeln und ins All zu schicken. Wir können unsere europäischen Programme auch nicht beliebig ausweiten, ohne Geld dafür zu bekommen. Wir werden sie weiterhin so aufbauen, dass sie sinnvoll für Europa sind. Und wir werden den Amerikanern Kooperationsmöglichkeiten anbieten.