Klimawandel? Was kann der Mensch dafür! Raumfahrt? Klingt ganz cool. Stammzellen? Finger weg! Während der noch amtierende Präsident Barack Obama erklärter Fan objektiver Wissenschaft ist, zeigt sich sein Nachfolger Donald Trump bisher wenig forschungsbegeistert. Für viele Projekte hegt er gar offene Abneigung. 

Manche US-Forscher fürchten um ihr unabhängiges Arbeiten. Einige haben angefangen, ihre Daten auf unabhängigen Servern in Sicherheit zu bringen. Andere machen sich sogar Sorgen um ihren Job, nachdem erste Spitzenposten neu besetzt sind und damit schon jetzt klar ist: So manches große Forschungsprojekt wird künftig heruntergefahren oder eingestellt.

Klima: Erderwärmung? Gibt es nicht!

Trump ist für viele unsinnige Aussagen bekannt. Eine der berühmtesten: Der von Menschen gemachte Klimawandel sei in Wahrheit eine Erfindung der Chinesen. Noch im März sagte er der Washington Post, er sei "kein großer Gläubiger" bezüglich der anthropogenen Erderwärmung, Ende November korrigierte er sich in der New York Times: Der Klimawandel hänge wohl auch mit menschlichen Aktivitäten zusammen. Wie sehr, sei allerdings noch zu prüfen.

Eine Aufgabe, der sich in den letzten acht Jahren die Weltraumbehörde Nasa intensiv gewidmet hat. Mit wichtigen Ergebnissen, die nicht nur für die USA, sondern für Wissenschaftler weltweit von Bedeutung sind. Was US-Satelliten aus dem All an Daten erheben, fließt in internationale Forschung ein, ist Teil wichtiger Kooperationen – auch mit Europa – und wird ganz praktisch gebraucht: für die Sicherheit in der Seefahrt zum Beispiel. Trump passt dieser Forschungszweig jedoch nicht, weshalb die Nasa-Abteilung für Erdforschung kein Geld vom Staat mehr bekommen soll. Einige Satelliten beobachten gezielt die Veränderungen in der Erdatmosphäre. Deren Auswertung belegte immer wieder die Effekte der globalen Erwärmung. Trump sieht darin aber keine unabhängige Forschung auf Basis von Messdaten, sondern eine politisierende, "politisch korrekte" Klimaforschung. Und die wolle er nicht unterstützen, hieß es Ende November aus seinem Wahlkampfteam.

Nach bisherigen Kenntnissen soll die Klima- und Umweltbehörde NOAA die Aufgaben übernehmen. Sie hat die Satellitenflotte bislang vor allem für die Schifffahrt, Landwirtschaft, Wettervorhersagen und Katastrophenwarnungen genutzt. Unwahrscheinlich ist jedoch, dass sie das volle Nasa-Budget von 1,9 Milliarden US-Dollar bekommt.

Umwelt: Zurück zu Kohle und Gas

Auch das Energieministerium, das bislang mehrere Milliarden US-Dollar pro Jahr in Forschung steckte, dürfte unter Minister Rick Perry Klima- und Umweltstudien herauskürzen. Er ist nur einer aus Trumps künftigem Kabinett, der Umweltschützern in den USA ernsthafte Sorgen bereitet: Rex Tillerson, der Außenminister werden soll, und Scott Pruitt gehören ebenfalls dazu. Alle sind Gegner einer aktiven Klimapolitik und Vertreter der Ölindustrie.

Der 48-jährige Scott Pruitt ist derzeit Justizminister des Bundesstaates Oklahoma. Seit Anfang Dezember steht er als neuer Chef der Umweltschutzbehörde Epa fest. Damit wird er Vorgesetzter von mehr als 15.000 Mitarbeitern, die einerseits aktiv forschen, andererseits verantwortlich für Erlass und Durchsetzung von Gesetzen und Vorschriften zum Umweltschutz sind. Eine Aufgabe: Vorgaben für Treibhausgasemissionen festlegen.

Nun ist Pruitt ein Verbündeter der Kohle- und Erdölindustrie, mehrfach hat er gegen Obamas Entscheidungen geklagt. Als Epa-Chef könnte er die künftige Regierung darin unterstützen, einige dieser Regeln zu kippen. Pruitt hat etwa angekündigt, den von Barack Obama auf den Weg gebrachten Clean Power Plan zu bekämpfen, der die Treibhausgasemissionen der USA beschränken soll. 

Sollten die Vereinigten Staaten in den nächsten acht Jahren die Entwicklung von erneuerbaren Energien einschränken, gar stoppen, wird das weltweite Konsequenzen haben. Das mit dem Klimaabkommen von Paris beschlossene und in Marrakesch bekräftigte Zwei-Grad-Ziel sei dann keinesfalls einzuhalten – davor warnten Forscher schon Ende des Jahres im Fachmagazin Nature Climate Change (Sanderson & Knutti, 2016). Zwar legen die Autoren dar, dass es dem Planeten kaum schaden würde, wenn die Emissionen der USA zwei Amtszeiten lang konstant blieben. Doch wenn sich deshalb weitere Länder dem Abkommen nicht mehr verpflichtet fühlten, wären die Folgen enorm: Das ohnehin schon mutig gesetzte Ziel, die Erderwärmung in den kommenden Jahrzehnten auf zwei Grad Celsius zu beschränken, rücke damit in unerreichbare Ferne.

Trumps Ankündigungen erinnern an die erste Regierung unter George W. Bush, die 2001 erklärt hatte, das Kyoto-Protokoll nicht – wie vorab beschlossen – umsetzen zu wollen.