Ein Exoplanet allein ist heute keine Meldung mehr Wert. Tausende sind entdeckt, Tausende weitere warten noch auf eine Bestätigung. Sieben auf einmal aber, die einen einzigen Stern umkreisen, sind es allemal. Erst recht, wenn die meisten davon möglicherweise flüssiges Wasser beherbergen – eine Voraussetzung für Leben, wie wir es kennen. Entsprechend begeistert sind Astronomen vom System Trappist-1, das all diese Kriterien erfüllt und das sie nun der Öffentlichkeit präsentiert haben.

Innerhalb der nächsten zehn Jahre werde man wohl wissen, ob es dort so etwas wie Leben gibt, sagte Amaury Triaud, Planetenforscher von der Uni Cambridge. "Ich denke, in der Frage, ob es da draußen Leben gibt, haben wir damit einen bedeutenden Schritt gemacht."

Das Eldorado für Planetenforscher liegt nur 40 Lichtjahre von der Erde entfernt. Wie das Team um Michaël Gillon von der belgischen Universität Liège in einer Studie berichtet, besteht Trappist-1 aus einem Roten Zwerg umgeben von sieben Planeten (Nature: Gillon et al., 2017). Sechs dieser Himmelskörper liegen in einer moderaten Temperaturzone, in der Wasser – wenn es vorhanden ist – flüssig sein kann. Drei der Planeten könnten sogar Ozeane auf ihrer Oberfläche besitzen, sofern sie erdähnliche Atmosphären haben, schreiben die Studienautoren weiter.

Leben? Wenn, dann dort

Damit ist das benachbarte Sternsystem das vielleicht aussichtsreiche für die Suche nach außerirdischem Leben. Theoretisch. Denn Hinweise auf solches Leben haben die Forscher bislang nicht. 

Die Entdeckung von drei der Exoplaneten hatte dasselbe Team bereits im vergangenen Jahr vermeldet (Nature: Gillon, et al., 2016). Es war der erste Fund von Planeten außerhalb unseres Sonnensystems, die einen Roten Zwergstern umkreisen. Letztere sind einer der häufigsten Sterntypen in unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße. Weitere vier Planeten dieses Sterns haben die Forscher nun durch sorgfältige Nachbeobachtung mit verschiedenen Teleskopen entdeckt. Alle sieben sind mehr oder weniger so groß wie die Erde. Ihre Durchmesser liegen zwischen 75 und 113 Prozent des irdischen, die Planetenmassen schätzen die Forscher auf 41 bis 138 Prozent der Erdmasse. Es handele sich wahrscheinlich um Gesteinsplaneten.

NASA/JPL-Caltech
Wir fliegen zu E.T.!

Wir fliegen zu E.T.!

Wow, es gibt sieben mögliche Erden in unserer Nachbarschaft! Lebt da was? Reisen wir hin und schauen nach.

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© NASA/KSC
Get ready for boarding

Get ready for boarding

Unser Ziel: Sonnensystem Trappist-1. Entfernung: 39 Lichtjahre. Zum Mars fliegt der Mensch ein Jahr. Wie lange werden wir unterwegs sein?

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NASA
Reisezeit: 2 Mio (!) Jahre

Reisezeit: 2 Mio (!) Jahre

Wie bitte? Na gut, mit heutiger Technologie. Denken wir uns halt ein Raumschiff, mit dem es geht. Und weiter mit Warpgeschwindigkeit ...

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NASA/JPL-Caltech/R. Hurt (IPAC)
Hallo schöne neue Welten!

Hallo schöne neue Welten!

Fast da, was fällt auf? Dieser Zentralstern ist ein Roter Zwerg, leuchtet 1.000-fach schwächer als unsere Sonne und ist zehnmal kleiner.

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Das wäre wohl Zeitverschwendung. Wir wissen kaum etwas über Trappist-1h. Auf seiner Oberfläche ist es geschätzt minus 105 Grad Celsius kalt. Flüssiges Wasser ist dennoch nicht ausgeschlossen. Könnte sein, dass der Planet im Inneren warm genug ist. Doch: Zu viel "wenn" und "aber" – wir fliegen erstmal weiter!

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Besser nicht. Auf 1b, 1c und 1d könnte der Treibhauseffekt alles durcheinander gebracht haben. Vermutlich herrschen hier mehrere Hundert Grad Celsius. 1b und 1c könnten auch gar keine Atmosphären haben, somit wäre Wasser nicht flüssig. Sollte es hier je Nass gegeben haben, ist wohl alles verdampft. Also: Landeklappen wieder einfahren, wir schweben vorbei.

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"Auf der Suche nach Leben anderswo ist dieses System nach heutigem Stand wahrscheinlich die beste Wahl", sagt Co-Autor Brice-Olivier Demory von der Universität Bern in einer Mitteilung der Hochschule. Mit künftigen Weltraumteleskopen werde es möglich sein, etwa Ozon in den Atmosphären dieser Exoplaneten zu suchen. "Das könnte ein Indikator für biologische Aktivität sein", sagt Demory. Allerdings sei es schwer, biologische Aktivität aus der Ferne zweifelsfrei nachzuweisen. Für viele Indizien gebe es auch andere Erklärungen.

Temperaturen von null bis 100 Grad

Der Zwergstern, den diese Planeten umkreisen, hat lediglich acht Prozent der Masse unserer Sonne und zwölf Prozent des Sonnendurchmessers. Er ist nicht einmal halb so heiß wie unser Zentralgestirn, wodurch auf seinen Planeten trotz ihrer engen Umlaufbahnen gemäßigte Temperaturen herrschen. Von null bis 100 Grad Celsius ist die Rede. Die inneren sechs Trabanten umrunden ihren Stern in 1,5 bis zwölf Tagen, die Umlaufzeit des äußersten Planeten ließ sich noch nicht genau bestimmen und liegt zwischen zwei und fünf Wochen.


In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt, wie ein englischsprachiges Video der Europäischen Südsternwarte zeigt.

Die Wissenschaftler hatten systematisch nach Planeten bei Roten Zwergen gesucht. Bei Trappist-1 wurden sie fündig: Von der Erde aus blicken Astronomen zufällig genau auf die Kante dieses fernen Sonnensystems, sodass die sieben Planeten alle während ihres Umlaufs vor dem Zwergstern vorbeiziehen. Diese Mini-Sternenfinsternisse machen sich durch kleine, aber messbare regelmäßige Helligkeitsschwankungen des Sterns bemerkbar.

Der Fund lege nahe, dass es in der Milchstraße noch deutlich mehr erdähnliche Planeten geben könnte als angenommen, schreibt Ignas Snellen vom astronomischen Observatorium der Universität Leiden in einem Begleitkommentar (Nature: Snellen, 2017).

Ob sich in Trappist-1 endlich außerirdisches Leben finden wird? "Wir wissen es einfach nicht", schreibt der Astronom. Eines sei jedoch sicher: Wenn unsere Sonne in einigen Milliarden Jahren ihren Brennstoff verbraucht habe und unser Sonnensystem damit aufhöre zu existieren, werde Trappist-1 noch immer ein junger Stern sein. Dank seines sparsamen Verbrauchs werde der Rote Zwerg noch mindestens zehn Billionen Jahre leuchten – "wohl mehr als genug Zeit für Leben, sich zu entwickeln".