An der neuseeländischen Küste sind mehr als 400 Wale gestrandet, 300 davon sind bereits tot. Das teilte die Behörde zur Naturschutzpflege mit. Am Strand von Farewell Spit versuchten Hunderte freiwillige Helfer, die Wale ins tiefere Wasser zu schieben. An der Landzunge im Norden der Insel Golden Bay ereignete sich eines der größten Massensterben von Walen in der Geschichte Neuseelands.

Die Naturschutzbehörde zählte insgesamt 419 gestrandete Grindwale. Etwa 50 von ihnen konnten ins Meer bugsiert werden und schwammen davon. Viele andere kehrten wieder an den Strand zurück. Laut einem Ministeriumssprecher liegt das unter anderem an der großen Anzahl verendeter Tiere: "Die Toten, die herumtreiben, versperren ihnen den Weg ins offene Meer."

Die Ursache für das Massensterben ist unklar. Die Walschutzorganisation Project Jonah vermutet, dass es eine Kombination aus ungewöhnlich hohen Temperaturen und Erkrankungen sein könnte. Bekannt sind Fälle, in denen viele Wale einem kranken Leittier ans Ufer folgten. Möglicherweise war auch das Echolotsystem der Tiere gestört, durch Unterwasserlärm oder andere Faktoren.

Es sind so viele Wale gestorben, dass die Behörden nicht wissen, was sie mit den Kadavern machen sollen. In weniger schlimmen Fällen seien die Überreste im Wasser anderen Meeresbewohnern als Nahrungsquelle überlassen worden. Das sei in der Touristenregion aber nicht denkbar. Möglicherweise müssten die Kadaver in einem "blutigen großen Loch" vergraben werden, sagte der Ministeriumssprecher. 

Angesichts einer so großen Zahl verendeter Tiere sei davon auszugehen, dass die noch lebenden in einem schlechten Zustand seien, sagte der Ministeriumsvertreter Andrew Lamason dem staatlichen Rundfunksender Radio New Zealand. "Wir bereiten uns deshalb auf eine ziemlich traumatische kommende Phase vor."

An Neuseelands Küste stranden immer wieder Wale

Während der Flut bildeten die Freiwilligen Menschenketten, um die Wale daran zu hindern, erneut zu stranden. Andere hielten noch auf dem Sand liegende Tiere kühl und feucht, indem sie mit Wasser getränkte Decken über sie legten und Wasser über sie ergossen. Für die Rettung weiterer Wale müssen die Freiwilligen bis zur nächsten Flut am Samstag warten.

An den Küsten Neuseelands kommt es immer wieder zu Strandungen von Walen. Die größte Massenstrandung von Grindwalen gab es 1918, als auf den abgelegenen Chathaminseln 1.000 der Säuger landeten. 1985 strandeten 450 Grindwale in Auckland. Grindwale werden bis zu sechs Meter lang. Sie sind die häufigste Walart in neuseeländischen Gewässern.